Medien : Fernsehmuseum: Wenn er Pillen nahm

Jörn Wöbse

"Stanley, ein zarter, schwächlicher Gnom, die Pille machte ihn zum Phantom. Er konnte wie ein Adler fliegen und jeden Bösewicht besiegen." Ein Liedtext, dessen genaue Kenntnis 1970 auf dem Pausenhof unbedingt erforderlich war, wollte man nicht als kompletter Ignorant dastehen. Stanley Beamish, im Brotberuf Hilfstankwart, wurde zu "Mr. Terrifico", so der amerikanische Originaltitel, eben "Immer wenn er Pillen nahm".

Die Super-Pille, ein Trumm von monströsen Ausmaßen, war in geheimen amerikanischen Labors eigentlich als Schnupfenmittel entwickelt worden, wirkte aber wie eine Art Ganzkörper-Viagra - allerdings nur bei einem einzigen Menschen: Stanley Beamish. Das schmalbrüstige Männlein machte nach Verabreichung der Wunderdroge beängstigende Farbveränderungen durch, so berichteten jedenfalls diejenigen, die damals schon einen "Rembrandt" oder "Goya" in der Stube hatten, und war in ein todschickes Superhelden-Glitzercape gewandet. Nun konnte er im Regierungsauftrag allen Erzhalunken fliegend ein Schnippchen schlagen, deren kriminelles Ziel in der Regel mindestens die Weltherrschaft war. Oder die über die USA, was ja im Grunde das Gleiche ist. Leider war die Wirkung der Pille zeitlich limitiert, und so konnte es Stanley passieren - und so passierte es immer - dass er plötzlich all seiner Superkräfte beraubt dem schurkischen Gelichter gegenüberstand.

Gedreht hat diese liebenswerte Persiflage auf die in jenen Jahren grassierende Bat-Mania der Regie-Veteran Jack Arnold, der eine Dekade zuvor die Kinogänger mit Monster-Schockern vom Schlage "Der Schrecken vom Amazonas" oder "Tarantula" in Angst und Schrecken versetzt hatte. Im Fernsehen flog Stanley nur einen Frühling, aber wenn er nicht gestorben oder verrentet ist, sorgt er immer noch Pillen schluckend für Ordnung. Schließlich liegt die Weltherrschaft ja immer noch in den Händen der Guten, oder?

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