Fernsehprogramm : Bambi, Bombay

Das Erste zeigte am Freitag die Bambi-Gala in Offenburg - statt eines Brennpunktes zum aktuellen Geschehen in Bombay. ZDF-Anchorman Klaus Kleber, arbeitete dagegen lieber an einem "heute journal extra", als einen Preis entgegen zu nehmen.

Eine KORREKTUR von Markus Ehrenberg

Uber die Frage, was wirklich wichtig ist in der (Medien-)Welt, lässt sich trefflich streiten. ZDF-Mann Claus Kleber beantwortete das am Donnerstagabend auf seine Art. Als der vielgerühmte Moderator des „heute-journal“ bei der Bambi-Gala in Offenburg für den Publikumspreis nominiert und aufgerufen wurde, saß er auf dem Lerchenberg in Mainz bei der Arbeit und strickte am Beitrag über die 125 Toten des Terrors von Bombay. Jene 5,7 Millionen Zuschauer, die „Bambi 2008“, die zweieinhalbstündige Dauerwerbesendung der öffentlich-rechtlichen ARD für den Burda-Verlag schauten, kriegten davon nichts mit. Zum 60. Mal wurde das goldene Reh vergeben, zum 60. Mal feierte das deutsche Unterhaltungsgewerbe sich selber. Es ist schon ein kleines Wunder, dass es dabei noch Störenfriede wie den launigen Moderator Harald Schmidt oder Preisträger Stefan Raab erträgt. Skandale wie beim Deutschen Fernsehpreis mit der Reich-Ranicki-Rede blieben aus. Nur Raab schaffte es, die gepflegte Routine aus Laudatoren, Preisträgern, Dankesreden und Standing Ovations zu unterbrechen, für einen brillanten Moment. Der Pro7-Showmaster nahm den Medienpreis an – genauso wie Keanu Reeves, Hardy Krüger, Meg Ryan oder Frank Plasberg –, sah im Saal Uschi Glas, rief „Danke, Mama!“, verwies auf seine illustre Vorgängerschar, Bambi-Preisträger wie Peter Bond, Berti Vogts oder Klaus Zumwinkel, und ging. Gleichzeitig saß Claus Kleber im ZDF an seinem „heute journal extra“ zum Terror in Indien. Den Bambi „Nachrichtenmann 2008“ hat Peter Klöppel gewonnen.

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