Fernsehprojekt : Jenseits von Krieg und Krisen

Drei ZDF-Journalisten haben sich zur Fußball-WM auf eine lange Reise durch Afrika begeben. Ihr ungefiltertes Afrika-Bild ist im Fernsehen zu sehen und auch auf Facebook.

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Freundlich schaut der Senegalese an der Kamera vorbei. Links im Bild soll der Deutschlehrer erzählen, was Afrikaner von Deutschen denken. Die Off-Stimme steigert die Spannung mit den Worten, dass der Mann trotz dieser Gründe die Sprache habe lernen wollen. „Es gibt Vorurteile gegen Deutsche: Sie sind pünktlich, und sie haben alle guten Eigenschaften“, sagt er. Es ist ein belustigender, wenig inhaltsreicher Beitrag für das ZDF.

Drei Monate, drei Reporter, 13 afrikanische Länder und geschätzte 10 000 Kilometer Wegstrecke in einem Jeep. Das Abenteuer des ZDF-Projekts, das die Zuschauer im „heute-journal“, den Kindernachrichten „logo“, im Mittags- und im Morgenmagazin und auf Facebook miterleben können, heißt „Afrika Unplugged“. Im März starteten die drei Reporter Steffi Kuhn, Torge Bode und Dara Hassanzadeh ihre Reise in Dakar, mit dem Ziel, Südafrika zum WM-Start im Juni zu erreichen.

„Wir alle wissen noch immer viel zu wenig über diesen Kontinent“, liest man auf der Homepage des Senders. Und es stimmt: Wo die spärlichen Medienberichte über den Kontinent in Deutschland hauptsächlich von Krieg und Krisen handeln und meist ein wenig differenziertes Bild von den insgesamt 53 Ländern vermitteln, beabsichtigt das Projekt, „ein ungefiltertes und unvoreingenommenes Afrika- Bild zu vermitteln“. Gerade mit Blick auf die zu erwartende Berichterstattung zur Fußball-WM ein interessantes und mutiges Projekt. Die Idee dazu hatte Hassanzadeh. Er ist für die Facebook-Seite verantwortlich, Kuhn für Schnitt und Kamera, und Bode, Korrespondent im Landesstudio Hessen, kümmert sich um aktuelle Berichte.

Bode fährt in einem Kurzvideo auf Facebook mit dem Finger über eine afrikanische Landkarte und erklärt die Gefahren der Route. Hassanzadeh ergänzt lachend: „Und dann Namibia, ehemalige deutsche Kolonie. Man spricht deutsch.“ Im Fernsehbeitrag ein „Ein Auto für Dakar“ wird der Jeep mit dem technischen Equipment verschweißt, bevor er mit der Fähre verschifft wird. „Diebstahlsicherung auf die afrikanische Art“, bezeichnet das Bode. „Wenn wir nicht an das Gute glauben, kommen wir nie an in Südafrika“, sagt Hassanzadeh. Auf Facebook vermeldet Bode später, dass ein ehrlicher Finder sein verlorenes Handy zurückgegeben hat. „Dieses Mal zahlte ich gerne alle seine Kosten und noch mehr – denn das gute Afrika, das ist mir einiges wert.“

Die Statusmeldungen klingen nach Reisetagebuch beeindruckter, zum Teil naiver Urlauber auf Abenteuerreise. „Jetzt haben wir so viel über Nigeria geschimpft und schauen gerade unsere Fotos durch und sehen ein wahnsinnig buntes Land mit lachenden Menschen. Wenn ihr unsere Fotos durchklickt, erlebt ihr aber auch die Armut der Menschen, bei denen das Öl-Geld nicht ankommt“, heißt es. Wie unvoreingenommen kann ein Journalist einen Sender auf persönliche und tiefgründige Weise über 13 afrikanischen Ländern bedienen, wenn er mit wenig Vorkenntnis von den geballten Eindrücken auf interkulturellem Neuland erschlagen wird? Fakt ist: Den 1755 Fans auf Facebook gefällt es: „Bitte behaltet diese flapsige Sprache bei“, heißt es auf der Seite.

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AfrikaUnplugged

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