Fernsehserie : Langsam war früher

Der Krimiklassiker "Ein Fall für zwei" wird runderneuert. Das ZDF unterzieht seinen Frankfurter Markenartikel ab der heutigen Folge "Das Ultimatum" einem elektronischen und dramaturgischen Facelifting.

Katrin Hillgruber
Gaertner Foto: ZDF
Unverkennbar Matula. Claus Theo Gärtner trägt weiter Leder. -Foto: ZDF

„Matula, hau mich raus“, singt die Band Superpunk. Wen hat der Frankfurter Privatdetektiv Josef Matula nicht alles seit der ersten Folge von „Ein Fall für zwei“ am 11. September 1981 aus misslicher Lage befreit: unzählige unschuldige Mandanten zwischen Bahnhofsviertel und Fressgass, aber auch immer wieder seine jeweiligen juristischen Partner, angefangen mit dem unvergleichlichen Günter Strack als Dr. Renz. Damals war Matula noch der Juniorpartner bei diesem für das deutsche Fernsehen ungewöhnlichen, von Karlheinz Willschrei ersonnenen Ermittlerduo aus Anwalt und Detektiv, Idealist und Raubein. Doch nach fast drei Jahrzehnten Einsatz ist Matula alias Claus Theo Gärtner längst zum Seniorpartner gereift, zum wind- und wettergegerbten letzten Individualisten („Gegen Handys haben wir uns lange gewehrt!“). „Ob Junior oder Senior, Partner sind sie immer, aber in Deutschland wollen die Leute nun mal einen Chef“, beschreibt Claus Theo Gärtner seine Rolle mit sanftem Ruhrgebiets-Timbre. 1943 wurde er in Berlin geboren, bekam aber „Haare in Innsbruck und Zähne in Oberhausen“.

Im Gegenzug hat sich Paul Frielinghaus, Jahrgang 1959, als musischer Rechtsanwalt Dr. Markus Lessing auch nach 90 gemeinsamen Filmen längst daran gewöhnt, als „der Neue“ zu gelten. Ausgerechnet während der Maueröffnung drehte der Darmstädter in seiner Wahlheimat Berlin unter der Regie von Claude Chabrol den Film „Dr. M.“, bei dessen „mühsam inszenierten Massenaufläufen“ es durch die historischen echten Massen immer wieder zu Irritationen kam, wie er sich schmunzelnd erinnert. „Frankfurt ist die einzige amerikanische Stadt, die wir in Deutschland haben, mit einer eigenen Magie der Skyline und der Straßenschluchten“, lobt Frielinghaus den Schauplatz des Krimiklassikers am Freitagabend. Im Herbst nächsten Jahres soll „Ein Fall für zwei“ die „Derrick“-Folgenzahl von 280 überholen. Nicht nur wegen der konstant guten Einschaltquoten mit bis zu 5,5 Millionen Zuschauern zählt Produzent Hans Joachim Mendig die Reihe zum „Kapitalvermögen des ZDF“.

Damit das auch so bleibt, unterzieht der Sender seinen Frankfurter Markenartikel ab der heutigen Folge „Das Ultimatum“ einem elektronischen und dramaturgischen Facelifting. Das bedeutet nach – selbstredend – amerikanischem Vorbild schnellere Schnittfolgen, Rückblenden, Nah- und Großaufnahmen. Nachdem bereits das gutmütige Faktotum Helga als Kanzleisekretärin durch die findige Kristin (Caroline Grothgar) ersetzt wurde, konzentriert sich die Handlung zukünftig auf wenige zentrale Charaktere, Nebenfiguren wurden großzügig eliminiert, wohl auch aus Kostengründen. Dafür wurden Gaststars wie Aglaia Szyszkowitz und Jan Gregor Kremp als schwerreiches Tee- und Kaffeehändlerpaar („Genuss aus aller Welt“) engagiert. In der heutigen Folge „Das Ultimatum" erleben sie eine Erpressung, die ihr ganzes Leben auf den Prüfstand stellt.

Uschi Glas bewundert, „dass sich das Format so lange frisch hält“. In der Folge „Skorpion im dritten Haus“ (26. Juni) agiert sie ungewöhnlich kalt und berechnend als astrologiegläubige Frauenmagazin-Verlegerin Patrizia Moll. Die Figurenzeichnung lässt an eine andere Zeitschriftenherausgeberin namens Patricia Riekel denken.

Die vitale Promenadenmischung „Ein Fall für zwei“ begibt sich ab jetzt dezidiert in die Welt der Reichen und Schönen, der Windspiele und Königspudel. Hoffentlich verirrt sie sich nicht – einige überdrehte Kamerazooms und andere Mätzchen bei der Auflösung des „Reformstaus“ lassen Schlimmes befürchten. Ein bis zwei Jahre will Claus Theo Gärtner als Matula noch weitermachen. Er begrüße es, dass der „Fall für zwei“ nun weniger lyrisch sei, sagt der verdiente Prosaiker.

„Ein Fall für zwei“, ZDF, 20 Uhr 15

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