Fernsehserien : Riskanter Rundumschlag

„Die Anwälte“ und „Post Mortem“ starten auf RTL. Letztere Serie wurde neu aufbereitet, da sie trotz guter Quote herbe Zuschauerkritik einstecken musste.

Simone Schellhammer
post mortem
Smart. Anwalt Britten (Kai Wiesinger) mit einer Mandantin (Gisela Trowe). -Foto: RTL

Januar ist für die Fernsehsender ein wichtiger Monat: Wegen der immer noch langen Winterabende weist er die höchste Fernsehnutzung des Jahres auf. Kein Wunder, dass derzeit großkalibrige Fernsehfilme, neue Serien und Staffeln erfolgversprechender Sendungen an den Start gehen. So präsentiert RTL heute Abend zwei Neuzugänge im Bereich Serie: „Die Anwälte“ und eine zweite Staffel von „Post Mortem“. Letztere wurde neu aufbereitet, denn: „Die Zuschauerreaktionen waren extrem“, sagt Hannes Jaennicke, der den Kölner Rechtsmediziner Daniel Koch spielt. „Solche Hass-Mails habe ich noch nie erhalten.“

Tatsächlich war das Format trotz recht guter Quote von 16,5 Prozent auf herbe Kritik gestoßen. Mit unnötig überdrehtem Tempo, ständig ruckelndem Kamerazoom und rabiaten Schnitten hatte man versucht, es auf krampfige Art dem amerikanische Vorbild „CSI“ nachzumachen. „Action am Sektionstisch funktioniert nun mal nicht“, findet Jaennicke. In der zweiten Staffel sei die Kameraführung ruhiger, auch wenn die Serie weiterhin schnell bleibe. Die Entwicklung von Charakteren scheint allerdings keine Stärke der „Post Mortem“-Autoren zu sein. Rechtsmediziner Koch bekommt zwar eine Familie und sogar zwei schwarze Adoptivkinder verpasst, bleibt ansonsten aber ohne Tiefenschärfe. Humor gibt es so gut wie überhaupt nicht. Dafür stößt nach fünf Folgen Minh-Khai Phan-Thi als Expertin für ärztliche Kunstfehler zum Team, wo sie von Kollegin Bergmann (Anne Cathrin Buhtz) übel angefeindet wird.

Ein ähnliches Strickmuster findet sich auch in „Die Anwälte“ wieder: In der Hamburger Kanzlei „Blum-Franz-Britten“ wird eine der fünf Stellen frisch besetzt. Der Neue (Johann von Bülow) aus München nervt zwar mit seiner Besserwisserei, wird dann aber doch aufgenommen. Ebenso wie in „Post Mortem“ sollen hier authentische deutsche Fälle verhandelt werden. Kai Wiesinger in seiner ersten Serienrolle marschiert dabei freundlich und schicksalsergeben durch das ständige Kanzleigewusel. Problematisch ist an diesem Format allerdings die Mischung aus Tragik und Witz. So hat etwa die Familienanwältin Blum (Julia Bremermann) vor kurzem ihre dreijährige Tochter verloren und muss nun die Schadensersatzansprüche einer Mutter durchsetzen, die trotz Sterilisation schwanger wurde. Man versucht hier den Rundumschlag: große Gefühle, spannende Kriminaldramen, humorvolle Skurrilitäten und schnelle Dialoge. Das ist ein bisschen viel auf einmal und gelingt nur selten.

„Post Mortem“, 20 Uhr 15, und „Die Anwälte“, 21 Uhr 15, beide RTL

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