Fernsehtalk : Simulanten

Eine ANNAHME über Harald Schmidt und Sabine Christiansen von Joachim Huber.

Harald Schmidt
Foto: ddp

Alter schützt vor ..., wovor schützt eigentlich Alter? Vor Naivität, das mal als Annahme. Also war anzunehmen, dass Sabine Christiansen und Harald Schmidt ihre Arbeit im Fernsehen mit einer gewissen Freude erledigen. Gut, bei Schmidt war die Skepsis schon da. Das Kameramikroskop hat dessen Pein im Sein erlebbar gemacht. Jetzt sagt Schmidt dem „Spiegel“: „Mit Late Night bin ich fertig.“ Und: „Wir hatten mit meiner Show auch schlechte Phasen.“ Einsichtige Worte, clevererweise erst nach dem Ende der „Harald Schmidt Show“ gesprochen. Sabine Christiansen präsentiert seit 1998 ihren Polittalk. Gegenüber dem „SZ-Magazin“ zieht sie ein entwaffnendes Fazit: „Was haben Sie erwartet? Dass ich ein Loblied auf den Fernsehtalk singe?“ Am 24. Juni hört sie fürs Erste auf.

Christiansen wie Schmidt sind durch ihre Sendungen wohlhabend geworden. Von eminenten Glückszuständen ist nicht die Rede. Muss nicht sein, zugleich taucht jedoch eine gefährliche Frage auf. Haben wir Simulanten zugesehen, die uns Spaß und Ernst vorgetäuscht haben? Motto: „Wir spielen Talkshow, wir spielen Late Night, und zwar so gekonnt, dass kein Zuschauer mitkriegt, wie sehr wir uns längst in die Inszenierung, in den Schein verabschiedet haben.“ Durchgehalten wird bis zum 50. Geburtstag – Schmidt/August, Christiansen/September –, dann ist der Zeitpunkt gekommen, die Langeweile, auch die des Publikums, zu beenden.

ARD-Programmchef Günter Struve hat einmal auf die Frage "Macht Fernsehen glücklich?" mit einem imperativen "Nein" geantwortet. Sicherlich, ein "Ja" hätte unsere Skepsis befeuert. Fernsehen und Glück, wie soll das bitteschön zusammengehen? Ein Gefühl bleibt: Schmidt und Christiansen haben uns mehr benutzt, als dass wir Nutzen von ihnen hatten.

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