Fernsehtipp : "Pretty Mama" in der Midlife-Crisis

Irrungen und Wirrungen zwischen Männlein und Weiblein: Der Fernsehfilm "Pretty Mama" im ZDF ist eine charmant inszenierte Komödie.

Thilo WydraD
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Birge Schade

Manchmal, da hat man plötzlich die Wahl: Alles beim Alten belassen, das eingefahrene Leben weiterleben, das Nest hegen und pflegen. Oder ausbrechen, die plötzliche Chance nutzen. Karin Dittmann (Birge Schade) sieht sich unverhofft in so einer Situation, als sie bei einem Preisausschreiben einen Aufenthalt in einem Wellnesshotel in Heiligendamm an der Ostsee gewinnt. Sie könnte sich den Gewinn auch in Barem auszahlen lassen, damit zu Hause so einiges auf Vordermann gebracht wird. Zu Hause, das sind ihr Mann Peter (Oliver Stokowski), ein Versicherungsagent, selbstständig und von Frau Karin tatkräftig unterstützt, sowie die zwei Jungs. Und das Haus, das Auto. Karin entscheidet sich für den Wellness urlaub. Im Hotel wird die Gewinnerin des Preisausschreibens vom Personal zunächst eher respektlos behandelt – bis auf den Barpianisten Michel (Harald Schrott), der Gefallen findet an der burschikosen, so gar nicht betucht-neureichen Karin. Nur, dass Michel wiederum von der wohlhabenden Hotel-Teilhaberin Betty Billerbeck (Hannelore Hoger) ausgehalten wird. Erst ist es ein Flirt, dann ein Techtelmechtel – und für Karin die Möglichkeit, ihr Leben zu ändern.

„Pretty Mama“ ist eine Komödie, ein Vier-Personen-Stück um die Irrungen und Wirrungen zwischen Männlein und Weiblein, charmant inszeniert von Berno Kürten, der mit Christoph Silber auch das Drehbuch verfasste. Dabei steht und fällt alles mit der Figur der braven Ehefrau Karin Dittman, von Birge Schade unprätentiös gespielt. Diese Frau, die steht mit beiden Beinen auf dem Boden. Nur, ob es der richtige Boden ist, das fragt sie sich. Und so geht es hier um die innere Zerrissenheit, ob es nicht doch gut wäre, alles über Bord zu werfen. Bei alledem interessiert vor allem die Begegnung der ungleichen Rivalinnen, die nuanciert und amüsant von Schroffheit und Ruppigkeit über Herantasten bis hin zu Verständnis und Miteinander geht. Beide Frauen, das ist der ernstere Hintergrund, kämpfen um etwas, für etwas. Thilo Wydra

„Pretty Mama", ZDF, 20 Uhr 15

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