Medien : Fernsehtipp: Sanfte Medienkritik

Thilo Wydra

Das Leben des überall nur "MM" gerufenen Nachrichtenmoderators Michael Mölders (Christian Quadflieg) ist eine Erfolgsstory. "MM" hat alles, was ein gestandenes Männerherz sich wünschen kann: Traumjob, Traumfamilie, Traumhaus. Dann kommt der erste Drohbrief. Wird wohl von Staatssekretär Dr. Böhmer (Gerhard Garbers) stammen, den "MM" im Live-Interview nicht eben mit Samthandschuhen angepackt hatte. Die Briefe häufen sich. Als der Nachrichten-Guru seine E-Mails abfragt, baut sich auf seinem Monitor das Bild eines Mädchens auf, das er einmal kannte: Es ist das Bild von Anika, einer ehemaligen Schulfreundin von Tochter Melanie. Anika hat sich umgebracht. Und Anika hat "MM" verehrt, ist ihm nachgelaufen in ihrer pubertären Schwärmerei. Plötzlich ist nichts mehr so, wie es einmal war: "MM" ist in der Sendung unkonzentriert, die Presse wittert einen Skanal.

Rolf Schübel (59) hat einfühlsame Filme wie "Woanders scheint nachts die Sonne" (1997) oder zuletzt "Gloomy Sunday - Ein Lied von Liebe und Tod" (1999) inszeniert. Konventionell ist das äußere Gewand seiner Arbeiten, mit einer vom Inhalt ablenkenden Form beschäftigt Schübel sich nicht. Ihm geht es allein um das Innenleben seiner Figuren. Auch "Eine öffentliche Affäre" (20 Uhr 15, ARD) ist sehr konventionell gehalten. Die Geschichte ist es, die hier zählt. Es ist die Geschichte eines doppelten Falls, eines Menschen und und eines Mediensystems, das den Betroffenen nicht mehr freigibt, einen heiklen Balanceakt zwischen Presse-Macht und Moral vollführen lässt.

Rolf Schübel, der zusammen mit Barbara Wilde das Drehbuch schrieb, geht diesem exemplarischen Einzelschicksal unprätentiös nach, hin und wieder rutscht ihm das Emotionale ganz leicht ins Pathetische. Die Schlussrede von "MM" vor der Fernsehnation, die er unangekündigt vor laufenden Kameras im "Tagesschau"-blauen Studio hält, ist Rolf Schübel allerdings entglitten. Da scheint der Regisseur die sanfte Medienkritik, die in seinem niemals wirklich bösen Film steckt, nochmals relativieren zu wollen.

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