Fernsehunterhaltung : Schlag den Pilawa

Jörg Pilawa enttäuscht mit "Star-Biathlon" und gewinnt trotzdem den Kampf um die Quote: Konkurrent Stefan Raab hat weniger Zuschauer - aber das bessere Konzept.

Matthias Kalle
Pilawa
Quotensieger: Moderator Jörg Pilawa. -Foto:ddp

Vorsicht: Wenn Fernsehkritiker in einer Kritik von "früher" schreiben, dann glorifizieren sie die Vergangenheit, meistens ihre eigene, und in der Kritik stehen plötzlich die Worte "Samstagabend", "Bademantel", "Sofa", "Wetten, dass...?". Und dann beschrieben sie ein Fernsehzeitalter, das vielen als besser gilt, denn damals hätten die Unterhaltung noch Niveau gehabt und die Moderatoren noch Format, heute sei dagegen alles Müll und Dreck. Wenn man vergangenen "Samstagabend" den "Star-Biathlon" in der ARD gesehen hat, dann kann man zu diesem Schluss kommen, denn die Sendung wechselte zwischen Katastrophe und Frechheit.

Jörg Pilawa, dem als Moderator jede Selbstironie, aber auch jede Hemmschwelle fehlte, merkt man immer mehr an, dass er zu den Sendungen, die er so wegmoderiert, keine Bezüge mehr hat – es ist ihm schlichtweg egal. Und wenn er in der peinigenden Präsentation der so genannten Stars die Schauspielerin Eva Habermann als "Eva Herman" vorstellt, dann ist das nur der Auftakt für die folgenden Pleiten, Pech und Pannen einer zweistündigen Tortur. Die Stars, die die ARD bekommen hat, hätte RTL nicht mal ins Dschungelcamp geschickt, erloschene Gestalten wie Jasmin Wagner (angeblich Moderatorin) und Axel Schulz (Fallobst), denen man die Lustlosigkeit anmerken konnte. Sie mussten einen Biathlon-Kurs bewältigen; wie das geht, hat ihnen aber niemand gesagt, und wie man das dann technisch trotzdem sauber zum Zuschauer bringt, hat der ARD niemand verraten, denn von der Kameraführung bis zum Kommentator Gerd Rubenbauer verweigerten alle die Normalleistung. "Früher" war das Fernsehen wirklich besser.

Jedenfalls das öffentlich-rechtliche. Denn zur gleichen Zeit auf Pro 7 bewies Stefan Raab (und das zu schreiben, tut Fernsehkritikern tatsächlich ein bisschen weh), wie Fernsehunterhaltung 2008 sein kann und sein muss: Denn auch die neuste Ausgabe seiner Show "Schlag den Raab" langweilte kaum, was um so höher zu bewerten ist, da sie fast fünf Stunden dauerte. Technisch kann man das alles kaum besser machen, und der Moderator Matthias Opdenhövel wächst zusehends mit den Sendungen: Er ist inzwischen ein selbstironischer Gastgeber und Spielleiter geworden ohne einen Hauch von Selbstüberschätzung, denn Opdenhövel weiß um eine andere Stärke der Show: "Schlag den Raab" kommt– auch das ist im Jahr 2008 fast innovativ – ohne Stars aus, denn der Star ist nicht Raab, sondern das Konzept. Raabs Produktionsfirma hat das Konzept bereits international verkauft, es ist die beste deutsche Show-Idee seit "Wetten, dass...?". Ein Kandidat tritt gegen Stefan Raab an, wer bei maximal 15 Spielen uneinholbar führt, hat gewonnen. Arvid kämpfte am Samstag um 1,5 Millionen Euro, weil er verlor, spielt der nächste Herausforderer um zwei Millionen Euro. Die Aufgaben pendeln dabei zwischen Kindergeburtstag (Mau Mau), anspruchsvollem Sport (Fechten) und klassischem Quiz. Und besser kann man sich auf dem "Sofa" im "Bademantel" nicht amüsieren.

Der Samstagabend hat bewiesen, dass die ARD kein Showkonzept gegen „Schlag den Raab“ im Portfolio hat – und als Fernsehkritiker hat man jetzt nur noch einen Wunsch: "Schlag den Raab" muss gegen "Wetten, dass...?" antreten. Das wäre dann die spannendste Schlacht im deutschen Fernsehen.

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