Medien : Feuer und Flamme

Pro 7 fackelt den Berliner Fernsehturm ab

Kurt Sagatz

„Dein Bruder hat morgen Geburtstag, kommst du mit zum Friedhof“, fragt der Berliner Branddirektor Horst Strasser (Klaus J. Behrendt) seine Tochter Katja (Silke Bodenbender), bevor sich die Kellnerin auf ihren Weg zur Arbeit macht. „Na klar“, sagt Katja, und geht zum Fernsehturm, dessen vertrauter Anblick sich zehn Minuten später im Pro-7-Katastrophenfilm „Das Inferno – Flammen über Berlin“ in eine Feuerhölle verwandelt.

Damit es zur Katastrophe und dem Schauder des Schreckens für den Zuschauer kommen kann, reicht – wie so oft – ein kleiner Funke aus. Bei Schweißarbeiten im Turmrestaurant entsteht ein Schwelbrand in der Elektrik, der sich wenig später zu einer der gewaltigsten Feuerwalzen der Fernsehgeschichte ausweiten wird. Minuten später ist die Feuerwehr informiert und Branddirektor Strasser auf dem Weg zu seiner Tochter am Ort des Geschehens. Dorthin rast auch Taxifahrer Tom (Stephan Luca), Ex-Freund von Katja und Ex-Freund ihres nun toten Bruders Stefan, der ein Jahr zuvor als Feuerwehrmann bei einem Einsatz ums Leben kam, weil Tom den Kollegen allem Anschein nach schmählich im Stich gelassen hat und deshalb den Dienst quittieren musste. Einerseits kommt es nun, wie es kommen muss: Aus dem Ex-Feuerwehrmann wird der „nicht autorisierte Atemschutz“, der sich zur Rettung der Eingeschlossenen den Turm hinauf kämpft. Andererseits zeigt dieser Film, dass es trotz aller Schrecken immer noch schlimmer kommen kann. Denn nach dem Einsturz der Twin-Tower am 11. 9. 2001 ist es eine schreckliche Gewissheit, dass ein Feuer fast jedes Gebäude zum Einsturz bringen kann, besonders, wenn es sich um ein sehr hohes handelt.

Einem realen Besuch des Fernsehturms am Alex steht dennoch nichts im Wege. „Auf dem Turm darf kein offenes Feuer gemacht werden, selbst Braten und Frittieren sind nicht erlaubt“, beruhigt Jens-Peter Wilke, Sprecher der Berliner Feuerwehr. Für den Notfall ist vorgesorgt: Zur Kugel des Fernsehturms führen eigene Löschwasserleitungen, an die man die Schläuche nur anschließen muss.

Es gibt vieles, was man dieser TV-Produktion zugutehalten kann. Dazu gehört zuallererst die klare Verteilung der Hauptrollen an Behrendt, Luca und Bodenbender. Entgegen allen Befürchtungen kommt das Feuer selbst erst nach den menschlichen Darstellern. Sicher aber ist: Wenn es kommt, dann gewaltig. Insgesamt wurden 800 Liter Brandpaste verbraucht, um das Feuer über die fast anderthalb TV-Stunden am Leben zu erhalten. Und für die fulminanten Flammenexplosionen wurden 300 Kilogramm Lykopodium-Pulver eingesetzt. Der echte Turm war dabei zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Die Feuerszenen entstanden in einem Nachbau in Litauen, wo das Team 42 Tage drehte.

Pro 7 legte bei der Bewerbung des Films großen Wert auf die Tatsache, dass ihr „Inferno“ mit Max Wiedemann und Quirin Berg von den gleichen Produzenten stammt wie das Oscar-prämierte Drama „Das Leben der Anderen“. Auch wenn das „Inferno“ kaum für den Oscar vorgeschlagen werden dürfte, so muss der Film den Vergleich mit anderen Katastrophenstreifen – vor allem, wenn sie fürs Fernsehen produziert wurden – nicht scheuen. Im Gegenteil: Wenn man überlegt, welche Peinlichkeiten dieses Genre dem Zuschauer oftmals zumutet, so sind die paar Längen und die erwartbaren Gefühlsausbrüche nicht der Rede wert.

„Das Inferno – Flammen über Berlin“; Pro 7, 20 Uhr 15

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