Filmbiografie : Romy Schneider, verflixt schwierig

Das Fernsehen gewinnt, das Kino verliert: Der eine Film über Romy Schneider ist abgedreht, der andere wird vielleicht niemals gedreht.

Nana Heymann
Schwarz Foto: pa/dpa
Jessica Schwarz als Romy Schneider. -Foto: pa/dpa

Vielleicht ist es eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt, das Leben eines Menschen zu verfilmen, dessen Leben ohnehin einem einzigen Film geglichen hat. Wenn es sich bei diesem Menschen auch noch um eine Ikone handelt, um eine der größten Schauspielerinnen des 20. Jahrhunderts, geliebt von Millionen, aber ebenso gehasst für ihr ambivalentes Verhältnis zu dem Land, das sie einst reich und berühmt gemacht hat, dann scheint die Aufgabe kaum zu bewältigen. Ist es da ein Wunder, dass sich seit ihrem Tod 1982 kein Filmemacher an das Leben von Romy Schneider herangewagt hat? Anläufe gab es. 1995 erwarb Norbert Sauer, Geschäftsführer der Ufa-Film, die Filmrechte an der Biografie „Der Fall Romy Schneider“ des Journalisten Michael Jürgs. Die Autorin Susanne Schneider machte daraus 1996 ein Drehbuch – es wurde nur niemals verfilmt.

Jetzt sieht es besser aus. Die Berliner Produktionsfirma Phoenix bringt das Leben der Romy Schneider ins Fernsehen. Im Auftrag des SWR produziert und ausgestattet mit einem Budget von fünf Millionen Euro wird „Romy“ am 11. November um 20 Uhr 15 im Ersten laufen. Die Hauptrolle spielt Jessica Schwarz, an ihrer Seite ist unter anderem Thomas Kretschmann als Romy Schneiders erster Ehemann Harry Meyen, Maresa Hörbiger spielt Mutter Magda Schneider, Heinz Hoenig den gehassten Stiefvater Hans Herbert Blatzheim und Guillaume Delorme gibt Alain Delon, Schneiders große Liebe. Gedreht wurde bis Ende 2008 in Berlin, Bayern, Österreich und an der Côte d’Azur, die Regie führte Torsten C. Fischer.

Wenn Phoenix-Chef Markus Brunnemann über die Produktion spricht, formuliert er wohlüberlegte Sätze: „Romy Schneider ist eine Legende. Jeder, der sich für Film interessiert, kann gar nicht an ihr vorbei.“ Zehn Jahre habe er sich mit dem Gedanken eines Spielfilms getragen. Doch wie kann man so etwas am besten angehen? Wie kann man einer Frau gerecht werden, über die viel Richtiges, aber noch viel mehr Falsches berichtet wurde? Romy Schneider wurde zum deutschen Kulturgut erklärt, seit sie mit 16 Jahren im ersten Teil der „Sissi“-Trilogie reüssierte. Seither wurde ihr Leben gedeutet und interpretiert und verdreht, es war Gegenstand vieler juristischer Auseinandersetzungen, die oft von Schneiders zweitem Ehemann Daniel Biasini angestrengt wurden. „Wir wollten die Spreu vom Weizen trennen, und es war eine große Verantwortung, dem gerecht zu werden“, sagt Produzent Markus Brunnemann. Der SWR-Film spanne einen Bogen über das gesamte Leben der Schauspielerin, ohne dabei von Station zu Station zu hüpfen.

Der Verantwortung des Drehbuchs hat sich Autor Benedikt Röskau gestellt, einer der Besten seines Fachs, einer, der sich mit juristischen Auseinandersetzungen auskennt: Röskau schrieb das Drehbuch zum Fernsehzweiteiler „Contergan“, dessen Ausstrahlung der Arzneihersteller Grünenthal vergeblich zu verhindern versucht hatte. Gut ein Jahr hat er zum Thema Romy Schneider recherchiert, die Faktenlage sei sehr widersprüchlich gewesen, weshalb er sich ausschließlich auf Primärquellen gestützt habe, auf Interviews, Fernsehauftritte, Dokumentationen. „Ich habe keiner Information geglaubt, die sich nicht mehrfach verifizieren ließ“, sagt Röskau. Das Drehbuch wurde juristisch genau geprüft, es gab viele Termine mit Anwälten, es musste viel angepasst werden. „Das war komplizierter als mein Contergan-Film.“

Kompliziert klingt es auch, wenn Produzent Douglas Welbat spricht. Er kündigte im Frühjahr 2008 eine Kinoproduktion über das Leben von Romy Schneider an: „Eine Frau wie Romy“ lautet der Arbeitstitel seines Filmes, für die Hauptrolle war Yvonne Catterfeld und für die Regie Josef Rusnak („13th Floor“) vorgesehen. Auf einer großen Pressekonferenz zeigte Welbat erste Testaufnahmen und erklärte, dass Catterfeld persönlich von Schneiders Ex-Ehemann Daniel Biasini ausgesucht worden sei. Biasini sollte der 23 Millionen Euro teuren deutsch-französischen Koproduktion als Berater zur Seite stehen. Doch was mit dem Anspruch der authentischeren Produktion angekündigt wurde, ist längst nicht realisiert worden. Der Drehbeginn ist immer wieder verschoben worden, die Finanzierung des Projekts scheint bislang nicht gesichert.

Er sei im „Closing“, sagt Welbat, der die Kinokomödie „7 Zwerge“ produzierte. Zwei Unterschriften stünden noch aus, dann könne er Konten einrichten, die Verträge aufsetzen und „checken, ob die Leute, mit denen Vereinbarungen getroffen wurden, noch zur Verfügung stehen.“ Er kritisiert, dass Schwierigkeiten immer wieder hochgeredet werden, und verweist auf den Kinofilm „Hilde“ über das Leben von Hildegard Knef, dessen Finanzierung auch lange Zeit gebraucht hätte. Eine Produktion wie „Eine Frau wie Romy“ sei allein in Deutschland nicht zu finanzieren, weil sie hier nicht gefördert würde.

Befragt man Jürgen Otterstein zum Thema, klingt er leicht genervt. Otterstein ist der Manager von Yvonne Catterfeld, und seit im letzten Jahr die Kinoproduktion mit ihr in der Hauptrolle angekündigt wurde, werden ihm immer wieder Fragen zum Drehbeginn gestellt. Dass Filmprojekte mitunter längere Zeit bräuchten, bis sie realisiert werden, sei nichts Ungewöhnliches, sagt er. „Das Dilemma in diesem Fall ist, dass das Vorhaben mit so viel Getöse angekündigt wurde.“ Dass es eines Tages doch noch realisiert wird, daran scheint Otterstein nicht mehr recht zu glauben. „Es wurde noch kein Vertrag abgeschlossen, es gab lediglich eine Absichtserklärung im Februar 2008, als das Projekt öffentlich vorgestellt wurde.“ Diese sei hinfällig geworden, als der avisierte Drehtermin nicht eingehalten wurde. Yvonne Catterfeld hat in der Zwischenzeit in drei anderen Filmproduktionen mitgewirkt. Gerade arbeitet sie an ihrer neuen Platte.

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