Filmemacher im Porträt : Arte öffnet die Akte Pasolini

31 Mal wurde der italienische Intellektuelle wegen seiner Bücher und Filme vor Gericht gezerrt. Arte zeigt eine Doku über den unbequemen Autor und Filmemacher.

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„Skandal“ – dieser Aufschrei begleitete Pier Paolo Pasolinis (1922–1975) Schaffen. 31 Mal wurde der italienische Intellektuelle wegen seiner Bücher und Filme vor Gericht gezerrt. Der homosexuelle Pasolini provozierte das katholisch-konservative Italien durch seinen klaren Blick auf das Leben in den Vorstädten, auf Sexualität und Gewalt in der Gesellschaft. Er kritisierte Linke wie Rechte, prangerte Korruption und Konsum an. Er habe eine „tolle intellektuelle Haltung“ bewiesen, sagt der Soziologe und Pasolini-Übersetzer Peter Kammerer in der Arte-Doku „Die Akte Pasolini“: „Ich segle unter eigener Flagge, gegen alle anderen.“ Eine im damaligen Italien offenbar auch lebensgefährliche Haltung. Im November 1975 wurde Pasolini in Ostia brutal ermordet. Dass der damals verurteilte Strichjunge zumindest als Alleintäter nicht infrage kommt, darf mittlerweile als sicher gelten, doch ein 2010 eingeleitetes Wiederaufnahmeverfahren lieferte keine Gewissheiten über die Hintermänner und deren Motive.

Ein Bild vom zeitgenössischen Italien

Die Kriminalgeschichte bildet in Andreas Pichlers Doku den Rahmen für ein Porträt des unbequemen Autors und Filmemachers, das durch zwei Pasolini- Filme („Teorema – Geometrie der Liebe“ und „Der Weichkäse“) ergänzt wird. Als Zeitzeugen werden neben Kammerer Journalisten, Wissenschaftler, eine Freundin und ein Cousin Pasolinis sowie Anwalt Guido Calvi interviewt, der an der Wiederaufnahme des Verfahrens beteiligt war. Pasolini-Texte aus dem Off, Fotos und Filmausschnitte runden das Bild ab, das auch ein Bild vom zeitgenössischen Italien ist.

Wurde Pasolini in eine Falle gelockt?

Von seinen in der Doku erwähnten „zahlreichen Fernsehauftritten“ ist leider nichts zu sehen, dafür wird das Stilmittel grafischer Animation eingesetzt – allerdings ohne den gewünschten Erfolg. Was nicht verwunderlich ist: Wurde Pasolini in eine Falle gelockt? Hat der Mord etwas mit gestohlenen Filmrollen, seinem letzten Roman oder doch mit seinen Zeitungskolumnen zu tun? Am Ende bleiben viele Fragen offen. Thomas Gehringer

„Die Akte Pasolini“; Arte, Mittwoch, 22 Uhr 45

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