Filmförderung Berlin : Sonderprüfung entlastet Medienboard Berlin-Brandenburg

Der Verdacht auf finanzielle Unregelmäßigkeiten beim Medienboard Berlin-Brandenburg hat sich nicht bestätigt. Trotzdem sollen Abrechnungen künftig noch genauer erfolgen. Auch beim Filmstudio Babelsberg gibt es Verbesserungsbedarf.

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Björn Böhning gibt Entwarnung. Der Verdacht auf finanzielle Unregelmäßigkeiten beim Medienboard Berlin-Brandenburg habe sich nach einer externen Sonderprüfung als unzutreffend erwiesen. „Wir haben auf der Aufsichtsratssitzung vor zwei Wochen den Jahresabschluss 2011 bestätigt und die Geschäftsführung entlastet“, sagte Böhning, Chef der Berliner Senatskanzlei und Aufsichtsratsvorsitzender des Medienboards, bei der Pressekonferenz der Filmförderungsgesellschaft am Mittwoch in Berlin.

Anlass für die Prüfung sind nach Böhnings Auskunft zwei Auffälligkeiten gewesen. Zum einen ging es um eine Vereinbarung mit der Sendergruppe ProSiebenSat1 zur Verwendung von Zinseinnahmen von 2001. Zum anderen um Rückforderungen wegen falscher Berechnungen an das Finanzamt von 2003, die jedoch verjährt waren. „Es hat sich gezeigt, dass die internen Buchungs- und Kontrollmechanismen beim Medienboard ausreichend sind“, sagte Böhning. Dennoch soll die Wirtschaftsplanaufstellung beim Medienboard künftig „noch detailgenauer“ erfolgen, das Abrechnungssystem verbessert werden.

Die beiden Medienboard-Geschäftsführer Kirsten Niehuus und Elmar Giglinger zogen eine positive Bilanz des Geschäftsjahrs 2011. Die von den Ländern Berlin und Brandenburg zur Verfügung gestellten Fördermittel in Höhe von 28,9 Millionen Euro hätten Investitionen in Höhe von mehr als 102 Millionen Euro in der Hauptstadtregion ausgelöst. Davon würden nicht nur Dienstleister, sondern auch Branchen wie der Tourismus und das Handwerk profitieren.

„In keiner anderen Stadt Deutschland werden so viele Filme wie in Berlin und Brandenburg produziert“, sagte Niehuus. Auch in quantitativer Hinsicht trage der Standort ein „Dauergütesiegel“, wie beispielsweise die Oscar-Nominierung für den durch das Medienboard geförderten Film „Barbara“ von Christian Petzold und zahlreiche Auszeichnungen und Teilnahmen auf Festivals wie in Venedig oder der Berlinale zeigten. Giglinger verwies dazu auf die positive Entwicklung der digitalen Szene in Berlin. Zuletzt habe es 500 Neugründungen im Bereich Medien/Digitales gegeben, insgesamt seien in Berlin 4000 Unternehmen in der Medien- und Kreativwirtschaft angesiedelt.

Jedoch hat das Medienboard zwei Sorgenkinder. So leidet das Studio Babelsberg unter geringer Auslastung. Die letzte große internationale Produktion sei der „Wolkenatlas“ von Tom Tykwer und den Wachowski-Geschwistern gewesen. „Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat Investoren in den USA offenbar vor größeren Projekten zurückschrecken lassen“, begründete Niehuus. Dass die deutsch-französische Koproduktion „Die Schöne und das Biest“ nun nach Babelsberg komme, mache Hoffnung. Zweites Sorgenkind ist der Fernsehstandort Berlin-Brandenburg, der auch durch das Aus zweier Daily-Soaps belastet werde. „Unser Ziel ist es, den Fernsehstandort Berlin-Brandenburg zu stabilisieren“, sagte Giglinger.

Brandenburgs Wirtschaftsministerium hat die Filmförderung fürs kommende Jahr jedoch um 400 000 Euro gekürzt. Bislang hatte sich das Land mit knapp 7,7 Millionen Euro am Medienboard beteiligt. Berlin erhöhte dagegen die Mittel für Filmförderung um 1,2 Millionen Euro. „Wir versprechen uns wichtige Effekte für die Filmwirtschaft ebenso wie für die digitalen Zukunftsfelder der Medienwirtschaft“, sagte Böhning.

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