Medien : Filmriss

Schweriner „Polizeiruf“ mit Orientierungsproblemen

Tilmann P. Gangloff

Der Bruch war unausweichlich. Als sich Henry Hübchen entschloss, zugunsten der Hauptrolle in der ARD-Reihe „Commissario Laurenti“ die Akte „Polizeiruf 110“ zu schließen, musste der NDR einen Nachfolger suchen. Die Wahl fiel auf Felix Eitner, der ausdrücklich ein völlig anderer Typ ist als Hübchen.

Trotzdem verlief der Übergang einigermaßen sanft, weil die dramaturgische Handschrift die gleiche blieb, und das war auch gut so: Schließlich ist Beate Langmaack erst im vorigen Jahr für die „Gestaltung und Weiterentwicklung“ der Krimis aus Schwerin mit einem Adolf-GrimmePreis ausgezeichnet worden. Die Autorin legt viel Wert auf Atmosphäre; mehr vielleicht, als manchen Krimi-Fans lieb ist. Regisseuren wie Andreas Kleinert, Kai Wessel oder Hannu Salonen kommt das entgegen, denn auch ihnen ist es wichtig, wie eine Geschichte erzählt wird. Deshalb wallte der nächtliche Nebel nirgendwo so schön wie in Mecklenburg-Vorpommern.

Ulli Stephan und Christine Hartmann sind anders. Beide sind Krimispezialisten, Regisseurin Hartmann („Doppelter Einsatz“, diverse Folgen „Soko Leipzig“) noch mehr als Autorin Stephan, die ihren Schwerpunkt erst in den letzten Jahren (diverse Male „Wilsberg“) entsprechend verlagert hat. Daher wirkt „Traumtod“ auch routinierter als sonst, weniger eckig, nicht mehr so schräg; und damit geht zwangsläufig der Charme verloren. Im Unterschied zum „Tatort“ dürfen, ja sollen sogar die „Polizeiruf“-Filme anders sein: kantiger, nicht so sklavisch an den Regeln des Genres orientiert, mitunter gar experimentell, wenn Dominik Graf (zuletzt „Er sollte tot“) am Werk ist. In letzter Zeit aber wird die einstige „Tatort“-Antwort des Fernsehens der DDR immer griffiger und damit beliebiger, belangloser. Die Geschichten aus Halle feiern bloß noch den doppelten Herbert (die beiden Kommissare), in München hat Edgar Selge seinen Ausstieg angekündigt, und selbst Namensvetter Titus Selge hat der Mut verlassen: Bislang gehörten die herrlich verspielten Geschichten aus Bad Homburg neben den Abenteuern von „Eva Blond“ (Sat 1) zu den schrägsten Krimis überhaupt, aber die nächste Ausgabe (17. 9.) ist fast schon konventionell.

Das gilt trotz des rätselhaften Titels auch für „Traumtod“. Zwar spielen die mühsam unterdrückten Feindseligkeiten zwischen dem alten Hasen Hinrichs (Uwe Steimle) und seinem neuen Kollegen Tellheim (Eitner) auch im zweiten gemeinsamen Fall noch eine wichtige Rolle, doch der Fall steht eindeutig im Vordergrund: Ein Kunstsammler ist verschwunden, eine Freundin Tellheims wird tot aus dem Wasser gefischt. Den jungen Kommissar, der schon zum Auftakt den Tod seiner Schwester verkraften musste, trifft das besonders hart, weil er die Tote kurz zuvor auf eine Party begleitet hat. In deren Verlauf betrinkt er sich allerdings dermaßen, dass er am nächsten Tag einen Filmriss hat und sich fragt, ob er womöglich selbst in den Mord verwickelt ist.

Das Zusammenspiel von Steimle und Eitner ist auch beim zweiten Mal recht reizvoll, weil Stephan vor allem die Unterschiede betont. Der Fall selbst hingegen ist nicht besonders spannend, zumal es weder Autorin noch Regisseurin gelingt, ein besonderes Interesse für die Nebenfiguren zu wecken; es bleibt einem schlicht egal, wer die Morde begangen hat. Das aber ist tödlich für einen klassischen Krimi.

„Polizeiruf 110 – Traumtod“ aus Schwerin, ARD, 20 Uhr 15

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