Finale der Fußball-Weltmeisterschaft : "Tatort" mit Joachim Löw

Von Tor zu Tor: Sonntags wird eigentlich "Tatort" geschaut, doch dieses Mal gibt es einen besonderen Krimi zu sehen.

von
Der fliegende Bundestrainer: Joachim Löw beim 4:0-Sieg der Deutschen gegen Argentinien bei der Fußball-WM in Südafrika.
Der fliegende Bundestrainer: Joachim Löw beim 4:0-Sieg der Deutschen gegen Argentinien bei der Fußball-WM in Südafrika.Foto: REUTERS

Der Tag ist gekommen. Das Warten hat ein Ende. Die Entscheidung fällt Sonntagabend – so oder so. Ist die 13 eine Unglückszahl? Für das französische Ancien régime war sie das, brach doch tags darauf mit der Erstürmung der Bastille die Revolution aus.

Für die deutsche Mannschaft geht es um Größeres: um die Erstürmung des Maracana-Stadions in Rio, das Herzstück des brasilianischen Fußballs. Ja, ja, das alles ist nun tausendmal herauf- und heruntergebetet worden, und glücklich ist, wer nur seine Tageszeitung liest, denn da steht alles nur einmal drin, während im Fernsehen unzählige Halb- und Viertelexperten in geringster Abweichung dasselbe reden, getreu dem unsterblichen Motto von Karl Kraus: Es ist alles gesagt, nur noch nicht von allen.

Sonntags wird das einzige verbliebene Hochamt der deutschen Fernsehfamilie zelebriert

Wenden wir uns also jenseits aller Kaffeesatzleserei den harten Fakten des Fernsehkonsums zu. Da war vor fünf Tagen, bei der eine Interpretationsorgie sondergleichen auslösenden Halbfinalsensation von Belo Horizonte, der erstaunliche Rekord zu verzeichnen, dass 87,8 Prozent aller TV-Zuschauer in der Zeit ab 22 Uhr beim ZDF weilten. In absoluten Zahlen bedeuten die 32,6 Millionen Zuschauer zwar trotzdem nur eine Minorität der deutschen 82-Millionen-Bevölkerung, aber denn doch das Dreifache der üblichen Sonntagabend-Zuschauerzahl der heute Abend übertragenden ARD. Denn sonntags wird das einzige verbliebene Hochamt der deutschen Fernsehfamilie zelebriert, der „Tatort“. Zuletzt waren regelmäßig gut zehn Millionen Zuschauer vor der Kiste vereint, pardon, vor dem Flachbildschirm.

Am Sonntag haben die „Tatort“-Kommissare sendefrei, da sitzen sie, ob in Münster, Köln oder München, selbst vor dem Fernseher, und hoffen darauf, dass Kommissar Jogi Löw den Fall lösen wird. Bernhard Schulz

0 Kommentare

Neuester Kommentar