Medien : Fit für die Info-Zukunft

RTL bündelt sein Personal für Nachrichten und Magazine in einer eigenen Firma

Thomas Gehringer

Dem smarten Peter Kloeppel sieht man es nicht an, und doch krempelt die RTL- Gruppe einen wichtigen Teil des Senders um: Das Personal für die Nachrichten und Magazine wird ausgelagert und bei der neu gegründeten RTL-Tochter Infonetwork angestellt. Seit Februar arbeiten bereits rund 100 Mitarbeiter an den Standorten Berlin und München mit neuen Verträgen. Im Sommer 2009, auf jeden Fall jedoch vor den Bundestagswahlen im Herbst, will die Zentrale in Köln endlich von den mäßig charmanten Stadtrandimmobilien an der Aachener Straße und im Industriegebiet Ossendorf (n-tv) in die neuen Büros auf dem repräsentativ am Rheinufer gelegenen Messegelände in Deutz ziehen. Dann werden hier RTL- und n-tv-Redakteure unter einem Dach arbeiten und zu Infonetwork wechseln. Auch die Vox-Nachrichten werden in Köln produziert. Am Ende soll die Firma 400 Mitarbeiter haben.

Fürs Publikum ändert sich auf den ersten Blick nichts. Kloeppel bleibt Kloeppel, eine Ausnahmeerscheinung, denn er wird nicht ausgelagert und behält seinen Chefredakteurs-Vertrag bei RTL. Auch an den Sendeformaten wird nicht gerüttelt. „Die erfolgreichen Marken, die eigenen Köpfe sind für uns das wichtigste Gut. Das muss erhalten bleiben“, sagt Infonetwork-Geschäftsführer Michael Wulf. Der 49-Jährige hat nun gleich zwei Verträge, denn er bleibt geschäftsführender RTL-Chefredakteur und arbeitet weiter Tür an Tür mit Kloeppel. Die beiden sollen RTL fit für die Info-Zukunft machen, und in der spielt Fernsehen für den Sender nicht mehr die alleinige Rolle. RTL verbreitet seine Nachrichten bereits jetzt auf den eigenen Onlineseiten (www.rtlaktuell.de) auch als Podcast und sieben Tage lang als kostenlosen Download (rtl-now.de). Außerdem gibt es Nachrichten von RTL auch fürs Handy.

Nach der Gründung von Infonetwork will der Sender verstärkt selbst als Anbieter auf dem Markt für Bewegtbilder auftreten, zumal der Vertrag mit dem deutschen Reuters-Bilderdienst gekündigt wurde. Die Kosten, die für den Erwerb der Rechte für alle Plattformen anfielen, seien so hoch, dass es sich lohne, stattdessen in eigene Teams und Reporter zu investieren, sagt Wulf. Außerdem: „Eigene Gesichter zu haben, hilft in der Masse des Bewegtbild-Angebots.“ Bei stern.de, aber auch auf der jugendlichen und multimedialen Nachrichtenplattform Zoomer.de, die wie der Tagesspiegel zur Verlagsgruppe von Holtzbrinck gehört, waren RTL-Beiträge schon zu sehen. Laut Michael Wulf gilt aber auf absehbare Zeit „on air first“, einige der fürs Fernsehen produzierten Filmbeiträge sollen erst in der Zweitverwertung Online-Seiten angeboten werden. „Bewegtbilder nur fürs Internet zu produzieren, wird erst dann sinnvoll, wenn dort die Werbevermarktung wie im Fernsehen etabliert ist“, sagt Wulf.

Intern sollen durch die Gründung von Infonetwork vor allem die Arbeitsabläufe effektiver werden. „Berlin ist im Kleinen das, was wir in Köln-Deutz nach dem Umzug machen werden“, erklärt Wulf. „Wir haben in Berlin keine voneinander getrennten Redaktionen, sondern Reporter, die weiterhin für bestimmte Formate bei RTL oder n-tv arbeiten. Daran ändert sich nichts. Es müssen allerdings nicht zwei Teams rausgeschickt werden, nur um den O-Ton eines Ministers aufzunehmen.“ Schon seit einiger Zeit steuert und koordiniert ein Newsdesk in Köln die Themenverteilung und den Arbeitseinsatz.

Beim Personal hat das zeitweise für gehörige Unruhe gesorgt, zumal RTL zuvor auch aus dem Tarifvertrag ausgestiegen war und bei der Zusammenlegung der Redaktionen von „Punkt 6“, „Punkt 9“ und „Punkt 12“ eine Handvoll Stellen gestrichen wurde. Mittlerweile spricht der Kölner RTL-Betriebsrat von einem „astreinen Betriebsübergang“ und Verträgen auf dem Niveau des Tarifvertrags. Wulf verweist darauf, dass im Zuge der Verlängerung der Sendezeit von „Punkt 12“ 15 neue Mitarbeiter eingestellt worden seien. An Stellenkürzungen werde bei Infonetwork nicht gedacht.

Aber in Berlin sieht die Sache etwas anders aus, und es geht auch nicht nur ums Geld und um Arbeitsplatzsicherung. Ein intimer RTL-Kenner sieht noch „viele Fragezeichen“ und spricht von einer „schrittweisen Entfremdung“ des Personals. RTL sei „auf dem Weg zu einem anonymen Contentverwalter“. Der Berliner Info- Network-Betriebsrat will noch keine Bewertung abgeben. „Dazu ist es im Umstellungsprozess zu früh. Wir wollen erst die Evaluierung abwarten“, erklärt Martin Schulte auf Anfrage. Da weiß Geschäftsführer Wulf offenbar schon mehr. „Veränderungen schüren am Anfang immer Ängste, das haben auch wir gemerkt“, sagt er. In Berlin und München sei man nun an dem Punkt angelangt, „dass es beginnt zu funktionieren“.

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