Medien : Fließt Blut für Öl?

ARD-Doku sammelt Argumente gegen die Bush-Politik im Irak

Thomas Gehringer

Die USA haben im Irak „für die Freiheit und den Frieden auf der Welt gekämpft“, sagt George W. Bush. Dass dies die einzigen Gründe für den Irak-Krieg gewesen waren, glauben dem US-Präsidenten bekanntlich nicht alle. Fließt am Golf in Wahrheit Blut für Öl? WDR-Autor Helmut Grosse bemüht sich, diesen Vorwurf mit seinem „story“-Beitrag „Auftrag ausgeführt – Der Präsident, das Öl, die Amigos“ zu untermauern. Der ehemalige Afrika-Korrespondent und „Weltspiegel“-Redakteur hat Indizien dafür gesammelt, dass wirtschaftliche Interessen „sicher nicht die einzige, aber eine sehr wichtige Rolle gespielt haben“, wie sich der New Yorker Ökonom Jeffrey D. Sachs ausdrückt. Zum Beispiel eine bis vor kurzem geheime Sicherheits-Direktive der US-Regierung, in der bereits vor dem Golfkrieg 1991 verkündet wurde, den Zugang zum Öl des Persischen Golfs werde man, „falls nötig, mit der Anwendung militärischer Gewalt verteidigen“.

Grosse, der bereits in „Das Kartell“ die engen Verbindungen der Familie Bush zur texanischen Öl-Industrie offen gelegt hatte, lässt eine Vielzahl renommierter Kritiker aus den USA und Großbritannien zu Wort kommen. Nach den Grosse-Recherchen nimmt die US-Regierung mit fragwürdigen Methoden die Interessen von US-Unternehmen im Irak wahr. Aber wie der Entscheidungsprozess zum Irak-Krieg in Washington konkret ablief, dazu kann der Autor keine neuen Fakten präsentieren. Manches Argument fällt daher recht dünn aus: Dass die US-Truppen bereits wenige Stunden nach dem Einmarsch zwei der größten Öl-Terminals besetzt hatten, führt Grosse als Beleg für das eigentliche Interesse der USA an. Mit keinem Wort erwähnt er jedoch, dass Saddam Hussein im Golfkrieg vor über zehn Jahren zahlreiche Ölquellen abfackeln ließ. Die Anlagen rechtzeitig zu sichern, wäre also auch ein nicht allzu weit hergeholtes Motiv gewesen.

„Auftrag ausgeführt: Der Präsident, das Öl, die Amigos“: 23 Uhr, ARD

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