Medien : Flische und anderes Getier

Ein Dreiteiler im ZDF entwirft das Bild der Erde in Jahrmillionen

Simone Schellhammer

Die Erde in fünf Millionen Jahren: Es herrscht Eiszeit, Europa ist unter Gletschern verschwunden, und aus dem Mittelmeer ist eine Salzwüste geworden. Der Mensch, da sind sich alle Wissenschaftler einig, wird zu dieser Zeit längst ausgestorben sein. Warum, ist wohl eher eine politische Frage. Fakt wird sein, dass er nur eine kurze Ära – eine Million Jahre – auf der Erde zugebracht haben wird. So jedenfalls sieht es in der Zukunftsvision des Dreiteilers „The Future is Wild – Die Welt in Jahrmillionen“ aus (ZDF, 20 Uhr 15). Nur weiterentwickelte Tierarten, die so lustige Namen tragen wie Schneeschleicher, Flische oder Rasselrücken, werden demnach diese Welt bevölkern.

Unter der Leitung des englischen Produzenten John Adams arbeiteten 16 Wissenschaftler und 30 Computeranimateure sechs Jahre lang an recht eigenwilligen Zukunftsmodellen. „Wir sagen nicht, so wird es sein, sondern, so könnte es sein“, erklärt Adams, der die Glaubwürdigkeit seiner Kreaturen auch an seinen zwei Kindern getestet hat. „Unser Team hat die Gesetze der Evolution auf heutige Tiere angewandt und diese sozusagen in die Zukunft gedacht.“ In einer acht Millionen Euro teuren, US-amerikanisch-europäischen Koproduktion entwickelte das Team 48 Tierarten, die in fünf, in 100 und in 200 Millionen Jahren die Erde bewohnen könnten.

„Seit vier Milliarden Jahren gibt es auf unserem Planeten immer wieder die gleichen Baupläne, nur unendlich variiert“, sagt der englische Zoologieprofessor R. McNeill Alexander, der bei dem Projekt für die Biomechanik zuständig war. Unter Berücksichtigung zu erwartender klimatologischer, geologischer und biologischer Entwicklungen wurden diese Variationen hier weitergesponnen, so dass Kreaturen entstanden wie zum Beispiel wüstentaugliche Springschnecken. Oder ein Riesentintenfisch, der, wie andere Wasserbewohner in der Vergangenheit auch, das Land erobert. In Sachen Intelligenz kommt er dem Menschen recht nahe und stellt in diesem futuristischen Experiment quasi die „Krone der Schöpfung“ dar.

Etwas anmaßend klingt es allerdings, wenn der Drehbuchautor Paul Reddish über den „Blauen Windstürmer“, einen Vogel mit vier Flügeln, sagt: „Wir waren so begeistert von diesem Tier, dass wir uns fragten, warum die Natur nicht schon längst selbst darauf gekommen war.“ Dass alle Mitarbeiter dabei einen Heidenspaß hatten, ist offensichtlich. Wobei die US-Amerikaner vor allem Action und Säbelzähne wichtig fanden, Sex aber außen vor lassen wollten. Den Europäern im Team war hingegen auch das Sozialverhalten der Biester wichtig, außerdem bestanden sie darauf, die Fortpflanzung zu zeigen. Dennoch lebt das Ganze vor allem von furchterregenden Beutezügen von so genannten Todesengeln, Einstellungen, bei denen Renngreife auf die Kamera einhacken, oder Szenen, die mit dem Satz „Doch auch hier lauert ein gefährlicher Feind“ beginnen.

So beeindruckend die Animationen der englischen Firma „4.2.2.“ auch sind, manchmal sehen die Bewegungen der Schneeschleicher oder der ein wenig dämlich dreinschauenden Rasselrücken etwas rheumatisch aus. Gegen die Einspielfilme, etwa von echten Mardern oder Wildschweinen, die in den einzelnen Folgen die Evolution erklären sollen, haben die Science-Fiction-Wesen allemal keine Chance.

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