Medien : FLOPS Gute Titelseiten, schlechte Titelseiten TOPS

Welche Ausgaben der Wochenmagazine waren im Jahr 2003 Verkaufsschlager, welche lagen wie Blei am Kiosk?

Ulrike Simon

Tiere, Hitler und Sex, heißt es, sind die Auflagengaranten der Wochenmagazine. Das mag früher so gegolten haben. 2003 nicht. Da lautete die Erfolgsformel: Auflage machen mit den drei Ks – Küblböck, Krieg und Knie.

Das umstrittenste Titelbild des „Stern“ im vergangenen Jahr ist zugleich das erfolgreichste gewesen. Mit den „Superstars“ auf dem Cover musste sich der „Stern“ den Vorwurf gefallen lassen, im Dienste des Mutterkonzerns Bertelsmann die RTL-Show zu unterstützen. Die Chefredakteure wehrten sich damals dagegen und sagten, die erfolgreiche Show sei auch bei den „Stern“-Lesern Gesprächsthema Nummer eins. Zu Recht. Diese Ausgabe verkaufte sich nämlich häufiger als jedes andere „Stern“-Heft im Jahr 2003. Ähnlich erfolgreich war das Blatt mit den Ausgaben zum Irak-Krieg. Softe Themen schienen dem insgesamt politischer gewordenen „Stern“ 2003 dagegen kein Glück zu bringen. Anders „Focus“, der mit Volkskrankheiten (Knieprobleme, Dicksein) und Volkssport (Radeln) punktete. Ein Titel wie der über den „Killer für die DDR“ funktionierte überhaupt nicht – Stasi-Themen würden in Deutschland verdrängt, hat Chefredakteur Helmut Markwort daraus geschlossen. Er glaubt jedoch nicht, dass der Flop auch deshalb einer war, weil das Thema für den gemeinen „Focus“-Leser zu schwere Kost war. Bei schwerer Kost traut der Kioskkäufer sowieso eher dem „Spiegel“, der es versteht, mit einer guten Portion Ironie die großen aktuellen Themen – Irak, USA, Bildung – bestens zu verkaufen. Fehlt diese Ironie, hält der Käufer Abstand, siehe die Titel zu Mars und Sars. Und wenn auf einer einzigen Titelseite die Begriffe „verstaubt“, „Verfassung“, „Grundgesetz“, „Reformen“ und „blockieren“ stehen, dann stößt es selbst dem „Spiegel“-Leser schwer auf.

Die „Bild am Sonntag“, die von sich selbst in der Werbung behauptet, das schnellste Wochenmagazin zu sein, profitiert am meisten von der Aktualität und vom Fußball. Wenn Rudi Völler am Sonnabend im Fernsehen ausrastet – dann geht die „Bild am Sonntag“ weg wie warme Semmeln. Auflagenkiller Nummer eins scheint übrigens Günther Jauch zu sein. Im Januar zierte er die Seite eins der „BamS“ – die Ausgabe verkaufte sich am drittschlechtesten. Im Dezember versuchte es das Springer-Blatt mit Jauchs Rekord-Gewinnerin – und produzierte damit die Ausgabe mit der niedrigsten Auflage des Jahres 2003. Bedenkt man jedoch, dass auch die erste Ausgabe des Jahres kein Auflagenbringer war, scheint ein anderes Argument plausibler zu sein. Um die Jahreswende, wenn es draußen kalt ist und alle im Ski-Urlaub sind, hat es die „BamS“ am schwersten, Käufer zu finden.

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