Medien : Fluch und Segen

Eine Dokumentation zeigt die zwei Gesichter von Contergan

Hartmut Wewetzer

Vor mehr als 40 Jahren erschütterte der Contergan-Skandal die Republik. Das Schlafmittel hatte bei Tausenden von Kindern im Mutterleib zu schweren Fehlbildungen geführt. Äußerlich sichtbar waren fehlende Gliedmaßen, aber auch innere Organe waren mitunter betroffen. In Deutschland kamen 5000 fehlgebildete Kinder zur Welt, von denen 2500 starben.

Die Dokumentarfilmer Walter Harrich und Danuta Harrich-Zandberg rollen die Katastrophe jetzt noch einmal auf. Sie erheben schwere Anschuldigungen gegen den Contergan-Hersteller Grünenthal. Die Firma habe fahrlässig zu spät reagiert, beim Prozess 1968 habe sie Justiz und Politik manipuliert. Und Betroffene beklagen heute, dass die monatliche Rente von 500 Euro zu gering sei, Armut und sozialer Abstieg aufgrund des Contergan-Schadens damit nicht aufzufangen seien. Grünenthal äußert sich gegenüber den Fernsehjournalisten nicht zu den Vorwürfen.

Aber der Contergan-Wirkstoff Thalidomid ist längst wieder zurück. Er hat in den letzten Jahren eine Renaissance erlebt. Denn Thalidomid wirkt bei Lepra, Aids und Knochenmarkskrebs. Selten liegen Segen und Fluch so dicht beieinander wie bei dieser Substanz.

Der Film zeigt auch diese Seite des Contergan-Wirkstoffs. Neben den Opfern kommen also auch jene zu Wort, denen Thalidomid geholfen hat. Die Autoren verhehlen ihren Argwohn nicht. So werden Filmsequenzen aus der Krebsklinik, in der der Wirkstoff eingesetzt wird, mit der gleichen düsteren Musik unterlegt wie die Bilder der Contergan-Opfer, die sich durch ihren Alltag quälen. Schon einmal sei Contergan als Wundermittel gepriesen worden ...

„Der Contergan-Skandal“, 23 Uhr, ARD.

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