Flutkatastrophe : Das Wasser war der Feind

Fünf Jahre nach der "Jahrhundertflut" in Deutschland erinnern MDR und Arte mit einem Dokudrama an die Katastrophe.

Thomas Gehringer

Der Großvater will nicht aufs Dach des einsturzgefährdeten Hauses in Döbeln. Nicht ohne seine Katze. „Es ist wie früher“, erinnert ihn Rettungstaucher Michael Ebert: „Der Feind steht vor der Tür – wir müssen!“ Schließlich kann sich der alte Mann überwinden und wird gerettet. Im August 2002 war „der Feind“ das Wasser. Tief Ilse brachte Regen im Übermaß, das Hochwasser von Elbe, Donau und den zahlreichen Nebenflüssen richtete Milliardenschäden an. Im überfluteten Dresden stieg der Pegel der Elbe auf bisher nie erreichte 9,40 Meter. In Deutschland starben 21, in Tschechien 17 Menschen.

Fünf Jahre später erinnert der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) mit dem Dokudrama „Die Jahrhundertflut“ an die Katastrophe. Koproduzent Arte darf den Film von Jeannette Egger, Hannes Schuler und Uli Gaulke vorab ausstrahlen. Der MDR sendet den 90-Minüter eine Woche später in seinem dritten Programm und beginnt damit eine Themenwoche um die dramatischen Augusttage in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Dazu zählen Reportagen, Wiederholungen von Originalsendungen von 2002, eine Livegala aus der Dresdner Semperoper und ein Musikfestival aus Grimma, die auch als Dankeschön an Spender und Helfer gedacht sind.

Mag sein, dass der MDR somit insgesamt einer umfassenden Erinnerung gerecht wird, als Einzelstück ist „Die Jahrhundertflut“ dazu jedoch wenig geeignet. Völlig absurd wird es, wenn Arte den Film im Rahmen eines Themenabends „Tödliche Fluten“ zeigt, mit Wolfgang Petersens Antikriegsklassiker „Das Boot“ im Vorprogramm. Zudem wird „Die Jahrhundertflut“ inszeniert, als habe es 2002 keine gesellschaftspolitische Dimension des Kampfs gegen das Hochwasser gegeben. Nicht einmal Kanzler Gerhard Schröder stapft gummistiefelbewehrt durchs Krisengebiet. Die Montage aus Originalaufnahmen und neu inszenierten Spielszenen leidet darunter, dass die Livebilder von 2002 weitaus dramatischer sind, als die dürftig nachgestellten Szenen sein können. Thomas Gehringer

„Die Jahrhundertflut“, Arte, 23 Uhr 10, am nächsten Sonntag, MDR, 20 Uhr 15

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