Medien : „Forbes“ Russland: Geschreddert oder geändert?

Elke Windisch[Moskau]

Das Verwirrspiel um die russische „Forbes“-Ausgabe hielt die Medien gestern auf Trab. In der Früh meldete Radio „Echo Moskwy“, die Medien-Holding Axel Springer Russia, die seit 2003 auf dem russischen Markt präsent ist und die russische Version des US-Wirtschaftsmagazins herausgibt, habe die gesamte Dezember-Ausgabe einstampfen lassen. Der Grund: Die Titelstory hatte das Missfallen von Jelena Baturina erregt. Die 43-Jährige ist die Ehegattin von Moskaus Oberbürgermeister Jurij Luschkow und als Chefin des Baukonzerns Inteco die mit Abstand reichste Frau Russland. Ihr Privatvermögen wird auf 2,4 Milliarden US-Dollar geschätzt.

In dem Artikel, so Maxim Kaschulinskij, der Chefredakteur der russischen „Forbes“-Ausgabe gegenüber „Echo Moskwy“, habe Baturina zeigen wollen, dass sie sich und ihren Konzern von Einflussmöglichkeiten ihres Gatten emanzipiert hat. Inteco hatte an dem Forbes-Artikel vor allem beanstandet, dass Baturina auf der Titelseite mit den Worten „Meine Rechte als Investorin sind gewährleistet“ zitiert worden war. Das Zitat habe, weil aus dem Zusammenhang gerissen, den Sinn des gesamten Artikels entstellt. Der sei ihm, Kaschulinskij, jedoch sehr wichtig gewesen. Daher habe er eine neue Titelseite in Auftrag gegeben. Dennoch habe Inteco später mit rechtlichen Schritten gedroht.

No comment, hieß es beim Moskauer Springer-Management auf telefonische Nachfrage. Fragen, so eine russische Assistentin von Vorstandschefin Regina von Flemming, müssten schriftlich eingereicht werden. Auch stehe auf der Website des Konzerns eine Pressemitteilung zu den Vorgängen. „Forbes“ Russland, heißt es dort, hätte Prinzipien journalistischer Ethik verletzt. Teile der Aussage auf dem von Inteco beanstandeten Titelblatt würden nicht von Baturina selbst stammen und könnten daher nicht als Zitat verwendet werden.

Ganz anders wird der Sachverhalt durch die Konzermutter in Berlin dargestellt. Dort reagierte man allerdings erst gegen Mittag. Die Auflage sei nicht geschreddert worden, Kaschulinskij am Freitag im Büro erschienen, Springer hoffe, er werde weitermachen. Chefredakteur Kaschulinskij widerspricht der Darstellung aus Berlin, sein Rücktritt sei amtlich.

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