Formate : Baustelle Primetime

Der Sender Super RTL will sich mehr auf Familien konzentrieren.

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Immer das Ohr dicht an der Zielgruppe haben, das ist ehernes Gesetz im Privatfernsehen. So hat Super RTL herausgefunden, dass ein knappes Drittel der Sechs- bis Zwölfjährigen Smartphones nutzt, wenn auch nicht unbedingt ihr eigenes. 22 Prozent haben bereits eine Mail-Adresse, sieben Prozent sind schon bei Facebook unterwegs, obwohl das eigentlich erst ab 13 gestattet sein soll. Und sogar jedem zehnten Kindergartenkind erlauben Papa und Mama, einen Tablet-Computer zu nutzen. Schöne neue Medienwelt – einerseits.

Andererseits: Das Fernsehen ist immer noch Lieblingsmedium der Kinder, die – wie vor 20 Jahren – täglich rund anderthalb Stunden vor der Glotze sitzen. Seit 15 Jahren ist Super RTL, das gemeinsame Unternehmen von Bertelsmann und Disney, TV-Marktführer in der Zielgruppe der Drei- bis 13-Jährigen. Der Sender finanziert sich vor allem über Werbung, da muss man überall dabei sein, wo Kinder ihre Nase reinstecken. Also gibt es seit Herbst 2011 die „Toggo“-App. Toggo ist die Marke von Super RTL für alle Formate für Kinder ab sechs Jahren. Mit der App werden die Sendungen begleitet, rund 200 000 Kunden haben sie abonniert.

Im Kerngeschäft Fernsehen läuft tagsüber alles prima. Die große Baustelle ist die Primetime am Abend, also die Zeit, in der mit der Werbung das meiste Geld verdient wird. Zuletzt hatte Super RTL vor zwei Jahren eine „Qualitätsoffensive“ verkündet, mit der US-Erfolgsserie „Glee“. Auf Trab hat das den Sender allerdings nicht gebracht, die Marktanteile von durchschnittlich knapp drei Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen blieben schwach. „Wir sind kein Teenie-Sender“, hat Programmchef Carsten Göttel erkannt.

Im beginnenden Programmjahr zeigt Super RTL deshalb familientaugliche Animationsfilme wie „Findet Nemo“ und als Free-TV-Premiere „Aladdin“. „Die Wilden Kerle“ sollen als Reihe ausgestrahlt werden. Hinzu kommen Sitcoms, „Mr. Bean“-Comedy und ein Abenteuer- und Fantasy-Schwerpunkt. Dafür hat sich der Sender die Rechte an der BBC-Produktion „Sindbad“ gesichert. Highlight soll die am 12. September startende US-Serie „Once Upon A Time – Es war einmal ...“ werden. Die Produktion der Disney-Tochter ABC erzählt von Märchenfiguren, die in dem Örtchen Storybrooke gefangen sind.

Super-RTL-Chef Claude Schmit nennt die Anstrengungen in der Primetime einen „Quantensprung“. Das Ziel ist eher ein Quantenschritt: Den Marktanteil innerhalb von fünf Jahren auf vier Prozent zu steigern. Thomas Gehringer

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