Forum : Der Westen prägte die Medien

20 Jahre nach dem Mauerfall - die Wende in Presse, Rundfunk und Fernsehen. Eine spannende Diskussion der Medienanstalt Berlin-Brandenburg.

Sebastian Brauns

Der 9. November 1989 war für die deutsche Medienlandschaft eine Wende ohne Vorbild. Im Osten herrschte Aufbruchstimmung, der Parteijournalismus der DDR hatte ein Ende. Über Folgen des Umbruchs diskutierten am Dienstagabend sieben Journalisten aus sechs Bundesländern im Museum für Film und Fernsehen in Berlin. Eingeladen hatte die Medienanstalt Berlin-Brandenburg.

„Wir wollten zeigen, dass wir auch guten Journalismus machen können“, berichtete Hannelore Steer, damals beim DDR-Auslandssender Radio Berlin International beschäftigt, von der euphorischen Wendezeit. Sie hatte sich zunächst aber bei ihren Hörern für die jahrzehntelange Parteiberichterstattung entschuldigt. Sergej Lochthofen wurde von seinen Kollegen bei der einstigen Erfurter SED-Zeitung „Das Volk“ zum Chefredakteur gewählt: „Der Traum von basisdemokratischer Redaktion ohne Hierarchien wurde Wirklichkeit. Das ging jedoch nicht lange gut, oft wurde dann zu lange diskutiert.“ Rundfunk- und Fernsehen mussten umstrukturiert werden und in die Hoheit der neuen Bundesländer überführt werden. „Dabei blieben viele Ost-Moderatoren auf der Strecke“, sagte Bärbel Romanowski-Sühl, die das TV-Journal „Ungeschminkt“ im „Deutschen Fernsehfunk“ (DFF) erfunden hatte. „Bis heute sind die Journalisten aus dem Osten bei hohen Positionen in Presse, Rundfunk und Fernsehen unterrepräsentiert“, sagte Christoph Links vom gleichnamigen Buchverlag. Das führe noch heute zu einer etwas seltsamen Berichterstattung über den „Patienten Ost“. Brigitte Fehrle, Chefredakteurin der DuMont-Redaktionsgemeinschaft und einzige West-Journalistin auf dem Podium, blickte dennoch eher optimistisch in die Zukunft: „Bei der jungen Generation spürt man von der Einteilung in Ost oder West nichts mehr. Sie haben die gleichen Chancen.“

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