Medien : France 24: Die Antwort aus Paris auf CNN

Hans-Hagen Bremer[Paris]

Gibt es eine französische Sicht der Welt? Die Frage erscheint angesichts einer Nation von 60 Millionen Individualisten sinnlos, wenn man einmal davon absieht, dass Regierung und Parlament in Paris selbstverständlich für Frankreich sprechen. Wer sie sich trotzdem stellt, wird jetzt vielleicht bei France 24 fündig, dem internationalen französischen Nachrichtensender, der die Vormacht von CNN, BBC World oder Al Dschasira im weltweiten Kampf um die Wirkung von Bildern und ihrer Interpretation in den Medien brechen soll. Am heutigen Mittwochabend ist so weit. Mit einem aus dem Pariser Tuileriengarten übertragenen Gala-Abend, einem Interview mit Staatspräsident Jacques Chirac und Direktschaltungen nach Kabul, Bagdad, Gaza und Darfur soll der neue Nachrichtenkanal nach vierjähriger Vorbereitungszeit erstmals auf Sendung gehen – zunächst nur im Internet, vom Donnerstag an dann per Kabel und Satellit, auf französisch und englisch, später auch auf arabisch.

Dem Start des Senders, einer gemeinsamen Gründung des Privatsenders TF1 und der staatlichen TV-Produktion France Télévisions mit einem Jahresbudget von 80 Millionen Euro, ging ein langes französisches Unbehagen über die Dominanz des US-Senders CNN voraus. Präsident Chirac artikulierte es, als er 2002 die Gründung eines „CNN à la francaise“ als „wesentliches Element der Ausstrahlung Frankreichs“ forderte. Der Irakkrieg ein Jahr später gab der Idee Auftrieb, dass es neben den angelsächsischen und arabischen Stimmen auch eine französische im internationalen Konzert der Meinungen geben müsse. Eine offizielle Stimme Frankreichs soll France 24 jedoch nicht sein. „Wir sind niemandes Stimme“, heißt es in der von den 380 Mitarbeitern, unter ihnen 170 Journalisten aus 28 Ländern, unterschriebenen Charta, die dem Sender bei seiner Aufgabe, der „Verbreitung der Werte Frankreichs“, von Regierung, Parteien und Interessengruppen Unabhängigkeit sichert.

Wie sich diese „französische“ Sicht im Programm niederschlägt, muss sich zeigen. Antiamerikanische Akzente will man auf jeden Fall vermeiden, erklärt Alain de Pouzilhac, der Präsident des Senders. Die Nachrichten würden auch nicht unbedingt immer aus Pariser Blickwinkel präsentiert, man wolle vielmehr eine Vielfalt von Standpunkten aus aller Welt berücksichtigen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben