Medien : Frank Schätzing und die ungeliebte Prophetenrolle

-

Nachdem Frank Schätzings Öko-Thriller „Der Schwarm“ veröffentlicht war, schien es so, als würde das Buch von der Wirklichkeit eingeholt: Der Tsunami in Südasien katapultierte Schätzing in die Rolle eines Experten für künftige Öko-Desaster, auch wenn die reale Ursache gar nichts mit dem Szenario des Buches zu tun hatte. „Ich bin nicht der Prophet“, beteuert Schätzing nun in Andrea Klütings Porträt aus der Arte-Reihe „Mein Leben“ und bekennt zudem „ein mulmiges Gefühl“, weil sich sein Buch aufgrund der Katastrophe länger auf der Bestsellerliste gehalten habe. Die ökologische Dimension sei eigentlich nur hinzugekommen, weil die Story es verlangt habe, sagt Schätzing. Vielmehr sei ihm „die Selbstbesoffenheit der Menschheit“ auf die Nerven gegangen, der er damit literarisch verarbeiten wollte.

Der ehemalige Werbetexter aus Köln ist eine facettenreiche Figur. Mal gibt er sich bescheiden und bodenständig, mal redet er reichlich verschwurbelt daher. Er genießt es, auf der Bühne zu stehen, liebt exzellentes und teures Essen, fährt einen Porsche Cabrio und betont, eigentlich keinen Luxus zu brauchen.

Es gehört zum Konzept der Doku- Reihe bei Arte, dass man die Porträtierten überwiegend allein reden lässt. Das ist im Falle Schätzings nicht immer pures Vergnügen, aber doch aufschlussreich. Etwas mehr vom alltäglichen Schätzing, der zum Beispiel an einem Hörbuch arbeitet, Musik komponiert und auch selbst zur Gitarre greift, wäre dagegen ganz schön gewesen. tgr

„Mein Leben – Frank Schätzing“, Arte, 17 Uhr 30

0 Kommentare

Neuester Kommentar