Franka Potente im Interview : "Krieg in Schwarz-Weiß genügt nicht mehr"

Franka Potente ist der Star der Neuverfilmung der "Brücke". Ein Gespräch über Remakes, Frauen im Jahr 1945 und Zuschauer heute.

Brücke
Die Lehrerin Elfie Bauer (Franka Potente) kann ihren Schüler Walter (Lars Steinhöfel) vom sinnlosen Kampf nicht abhalten. -Foto: Pro7

Frau Potente, „Die Brücke“ ist ein Remake zu einem sehr deutschen Thema. Hat Sie das herausgefordert?

Ich sehe das gar nicht so sehr als urdeutsches Thema. Kurz bevor ich das Angebot zu diesem Film bekam, habe ich den amerikanischen Dokumentarfilm „Taxi zur Hölle“ von Errol Morris über Abu Ghraib und die dort stationierten amerikanischen Soldaten gesehen. Die Story von „Die Brücke“ hat mich an diese Soldaten im Irak erinnert. Ich finde, dass das Thema, das in „Die Brücke“ behandelt wird, ein universelles Thema ist. Es geht uns alle an. Gerade heute.

Sie spielen die Lehrerin Elfie Bauer, die eine Art Beziehung mit einem ihrer Schüler anfängt. Ziemlich ungewöhnlich.

Das Schöne, wenn ich das so sagen darf, ist, dass es diese Rolle in der Bernhard- Wicki-Verfilmung nicht gibt. Das hat mir sehr viel Spielraum für meine Rolle gelassen. Ich konnte sie so ausfüllen, wie ich es richtig fand. Diese Elfie Bauer ist ja eine der wenigen Frauenfiguren in diesem Männerfilm. Mich hat sehr interessiert zu zeigen, was passiert, wenn Menschen sich in Ausnahmesituationen befinden. Diese Elfie Bauer hätte doch in normalen Zeiten nie und nimmer etwas mit einem Schüler angefangen.

Ist der Wicki-Film so alt, dass es höchste Zeit für ein Remake war?

Das kann ich Ihnen nicht beantworten. Was ich Ihnen sagen kann, ist, dass ich kaum mitgespielt hätte, wenn nicht Wolfgang Panzer der Regisseur gewesen wäre. Das war der für mich ausschlaggebende Grund. Ich glaube, dass unser Film sehr modern geworden ist. Er spricht eine Generation an, die vom Krieg nichts mehr weiß und die man mit der Ästhetik der 50er Jahre nicht mehr erreicht. Schwarz-Weiß genügt nicht mehr. Wenn man die jungen Menschen von heute zu diesem ja nicht ganz einfachen Thema vor den Fernseher bekommen will, dann muss man auch mit den Mitteln von heute arbeiten. Also Farbe und vielleicht auch ein bisschen mehr Action.

Zurzeit scheinen Remakes schwer angesagt zu sein.

Ich habe ein gespaltenes Verhältnis zu Remakes. Es gibt viele Remakes, auf die ich getrost hätte verzichten können. Wenn ich kann, sehe ich mir das Original an. Aber Wolfgang Panzer, mit dem ich unglaublich gerne zusammen arbeite, hat alle meine Bedenken zerstreut.

Was sehen wir: einen Kriegsfilm, einen Antikriegsfilm oder ein romantisches Actiondrama, in dem am Ende der Held eben doch seine Geliebte in die Arme schließen kann?

Wenn am Ende von „Lola rennt“ die Episode gestanden hätte, in der Manni und Lola gestorben wären, dann wäre das nicht gegangen. Der Held muss belohnt werden. So ist das jetzt auch. Das Ende macht doch nicht den ganzen Film aus. Es ist ein Ende mit Schrecken, aber auch ein bisschen, wie soll ich sagen, versöhnlich. Es bleibt ein Rest Hoffnung nach der großen Katastrophe. Ich kann mit diesem Ende leben. Weil es in keiner Weise die Ernsthaftigkeit des Film in Frage stellt. Ich finde es okay, wenn sich die beiden am Ende in den Armen liegen. Ich würde das auch so gemacht haben, wenn ich der junge Mann gewesen wäre und alle meine Freunde tot wären.

Hat der Film eine Botschaft, ist es ein Film explizit für junge Leute?

Die Sehgewohnheiten haben sich radikal verändert. Insofern ist ein Film geworden, der auf die Sehgewohnheiten von heute Rücksicht nimmt. Die Frage ist natürlich, wie kann man ein halbwegs passables Remake machen, wenn das Original so überragend ist, wie es der Film von Bernhard Wicki nun einmal ist. Oder ob es man es nicht lieber gleich lassen sollte. Wenn man sich aber dafür entscheidet, dann muss man auch konsequent sein.

Die meisten Deutschen haben keine persönlichen Erfahrungen was es heißt, im Krieg zu sein. Wie schwer war es für Sie, Krieg zu spielen?

Meine Großmutter hat den Krieg noch miterlebt. Und so richtig lange ist es auch noch nicht her, finde ich. Wenn ich etwas spiele, was ich nicht selbst erlebt habe, dann stelle ich mir zum Beispiel den Stress vor, den Krieg bei Menschen auslöst. Die ganze Unsicherheit, die Angst, das Irre und Wirre. Das gibt es ja alles auch im ganz normalen Leben.

Konnten Sie sich ohne größere Probleme in die Zeit von 1945 zurück versetzen?

Wir haben in einem Dorf in Litauen gedreht. Wenn da die Hakenkreuzfahnen im Wind wehten, dann konnte einem schon gruselig werden, so authentisch war das alles. Einmal bin ich nach Drehschluss abends in das Dorf gegangen, und da hingen immer noch die Fahnen mit dem Hakenkreuz. Man hatte vergessen, sie abzuhängen. Ich habe mich total erschrocken, so echt wirkte das.

Sie spielen die Figur der Lehrerin Elfie Bauer sehr modern. So als wäre sie eine Frau von heute.

Leider fehlte die Zeit, die Vorgeschichte dieser Frau zu zeigen. Sie wäre sicher ganz anders gewesen, wenn nicht der Ausnahmezustand geherrscht hätte. Diese Frau wäre vor dem Krieg eine ganz andere gewesen. Aber so begehrt sie eben auf und macht Dinge, die sie sich sonst nie getraut hätte. Vielleicht macht das diesen Ausdruck von Modernität aus.

Ist der Film ein Franka-Potente-Film? Sie sind der Star.

Ich bin vielleicht eine der bekanntesten Schauspielerinnen, die diesem Film mitspielt, aber nicht der Star. Wenn es Stars gibt, dann sind das die Jungs. Wie die spielen, das ist schon unglaublich.

Gregor Dorfmeister, Autor des Buches, sagt, dass Sie ihm etwas zu gut frisiert und etwas zu schön gekleidet wären.

Ich respektiere die Meinung von Herrn Dorfmeister sehr. Und wahrscheinlich hat er auch Recht. Ich als Schauspielerin bin allerdings nicht unbedingt für die Maske und die Ausstattung eines Film verantwortlich.

Wie historisch präzise sollte ein Film sein?

So präzise wie möglich. Weil es nicht gut ist, wenn da Fehler gemacht werden. Denn das lenkt die Zuschauer vom Eigentlichen, dem Inhalt des Films, unnötig ab. Man ist dann abgelenkt und geht im schlechtesten Fall den ganzen Film über nur noch auf Fehlersuche. Mir selbst geht das jedenfalls manchmal so.

Sie sind selten im deutschen Fernsehen zu sehen. Warum haben Sie in diesem Fall eine Ausnahme gemacht?

Ich bin da gar nicht so rigoros, wie es vielleicht empfunden wird. Für mich war bei „Die Brücke“ nicht die Frage, ob es eine Kino- oder eine Fernsehproduktion ist. Ich habe zugesagt, weil der Regisseur Wolfgang Panzer heißt. So einfach ist das. Sie können mir glauben: Ich habe nichts gegen das Fernsehen.

Das Interview führten Thomas Eckert und Joachim Huber.

„Die Brücke“, Montag, 20 Uhr 15, Pro 7; um ein Uhr nachts zeigt Pro 7 „Die Brücke“ von Bernhard Wicki aus dem Jahre 1959.

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