Frauen am Ball : "Klischee: Kampflesbe"

Medienforscherin Daniela Schaaf hat untersucht, wie Sportjournalisten über Frauenfußball berichten. Ein Gespräch über den "Kournikowa-Effekt", Spielerinnen im "Playboy" und was die Weltmeisterschaft im Sommer verändern wird.

Frau Schaaf, das größte Sportereignis in diesem Jahr ist die Frauenfußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land. Sie haben Sportjournalisten nach ihrem Bild vom Frauenfußball gefragt. Wie sieht das aus?

Erfolgreich einerseits, aber für fast 70 Prozent der Befragten ist Frauenfußball eine unbedeutende Randsportart. Dies liegt daran, dass die Spielerinnen im Vergleich zu anderen Sportlerinnen wie Leichtathletinnen oder Tennisspielerinnen medial deutlich unterrepräsentiert sind. Das betrifft sowohl die Nationalmannschaft als auch die Vereine.

Warum?

Seit Mitte der 90er Jahre lässt sich eine starke Sexualisierung der Sportberichterstattung beobachten, der sogenannte „Kournikowa-Effekt". Die Redaktionen bevorzugen Athletinnen, die eine hohe physische Attraktivität und heterosexuelle Ausstrahlung aufweisen – unabhängig davon, ob sie sportlichen Erfolg haben.

Und da scheiden Fußballerinnen aus?

In den Sportressorts überwiegt leider immer noch das Klischee der „Mannsweiber“. Um es noch freundlich auszudrücken. Die weniger nette Formulierung lautet „Kampflesben“.

Warum wird diese Diskussion gerade so sehr um den Frauenfußball geführt?

Das lässt sich zurückführen auf die 70er und 80er Jahre. Wenn die Berichte stimmen, gab es damals in manchen Jahren keine einzige heterosexuelle Spielerin in der Nationalmannschaft. Und wenn einmal ein Image feststeht, ist es schwer, dieses zu ändern. Der Deutsche Fußball-Bund hat den Profi-Frauenfußball auch lange ignoriert. Erst jetzt bemüht er sich verstärkt um die Vermarktung der Nationalspielerinnen.

Wie kann sich der Frauenfußball besser präsentieren?

Der Frauenfußball steht vor diesem Dilemma: Wie können wir uns attraktiver darstellen, ohne zu stark auf die Sexualisierung abzuzielen? Ein Weg wäre etwa die Positionierung in Unterhaltungsformaten wie bei Stefan Raab, also an der Schnittstelle zwischen Sport und Show. Ich denke jedenfalls nicht, dass wir eine Nationalspielerin in diesem Jahr im „Playboy“ sehen werden. Kurzfristig mag das Aufmerksamkeit erreichen, aber langfristig lohnt es sich nicht. Und welche Spielerin möchte noch zehn Jahre später auf ihre Nacktfotos reduziert werden?

In keiner Sportart scheinen Frauen und Männer so unterschiedlich akzeptiert zu werden.

Der Fußball ist in Deutschland eben eine männerbündische Veranstaltung. Allerdings ist der Markt für Männerfußball weitgehend gesättigt. Die Verbände sehen jedoch großes ökonomisches Potenzial im Mädchen- und Frauenfußball, da dieser Markt kaum erschlossen ist. Insofern geht es den Verbänden weniger um die Gleichberechtigung der Frau im Fußball, sondern eher um die Profitmaximierung.

Wird die WM in in diesem Jahr ein Erfolg?

Die WM wird aus drei Gründen funktionieren: Erstens findet 2011 kein anderes bedeutendes Sportevent statt. Zweitens wird die WM in Deutschland ausgetragen – sozusagen ein „Sommermärchen 2006 reloaded“. Und drittens erhofft man sich dadurch ein höheres Interesse der Rezipienten: Denn um mitzureden, muss man die Spiele gesehen haben – im Fernsehen oder beim Public Viewing.

Kann denn die WM etwas für den Frauenfußball verändern?

Fast die Hälfte der Befragten glaubt, dass die WM keine positiven Ausstrahlungseffekte auf die Frauen-Bundesliga haben wird. Fast 38 Prozent der Befragten gaben an, dass sich weder etwas für die Frauen-Bundesliga noch für die Nationalmannschaft verändert. Es müsste eine größere Präsenz in den Medien geben, zum Beispiel eine Sechs-Minuten-Zusammenfassung in der „Sportschau“. Das Fernsehen ist eigentlich auch gut vorbereitet: Ein Regisseur sagte mir, dass er im Frauenfußball mit viel schnelleren Schnitten arbeitet, damit das Spiel dynamischer wirkt.

Das Gespräch führte Friedhard Teuffel.

Daniela Schaaf, 38, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Deutschen Sporthochschule Köln und hat im Auftrag der Fifa Journalisten zum Thema „Frauenfußball“ befragt.

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