Frauen-EM in der ARD-Übertragung : Bernd Schmelzer, das Geschenk

Auftaktspiel der deutschen Frauen gegen Schweden bei der EM: Bernd Schmelzer kommentierte als Bernd Schmelzer light.

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Bernd Schmelzer vom NDR kommentierte die EM-Partie Deutschland gegen Schweden
Bernd Schmelzer vom NDR kommentierte die EM-Partie Deutschland gegen SchwedenFoto: NDR/Christian Spielmann

Zwei hochgradig spannende Fragen werden öffentlich leider ungelöst bleiben. War das blanker Zynismus von Claus Lufen? Dann hätte er einen richtigen starken Moment gehabt. Oder war ihm dieser Satz bitterernst? Dann hätte man ihm das Feierabend-Bier streichen müssen. Lufen, einer der besten im ARD-Team, interviewte vor dem Europameisterschaftsspiel der deutschen Frauen-Fußballnationalmannschaft gegen Schweden die Expertin Nia Künzer, Beide lobten die deutsche Spielerin Anja Mittag, und dann, Achtung: jetzt kommt’s, dann sagte Lufen diese Sätze „Anja Mittag ist das Geschenk für die deutsche Nationalmannschaft. Wir übergeben gleich an Bernd Schmelzer, der ist ein Geschenk für uns.“

Schmelzer! Ausgerechnet Schmelzer! Unter den ganzen Marktschreiern der ARD ist er einer der Lautesten. Schmelzer brüllt mittelmäßige Leistungen zu sensationellen Auftritten, er jazzt Durchschnittliches zu Top-Ereignissen, immer bemüht, deutsche Sportler im Fernsehen ja nicht zu kritisieren. Man muss das eigene Produkt ja schön reden, kostet schließlich viel Geld, diese Übertragungsrechte. Kurz: Schmelzer als Kommentator ertragen nur Leute, die im Deutschland-Trikot vor dem Fernseher sitzen.

Schmelzer brüllte nicht, immerhin

Schmelzer, das Geschenk für die ARD, kommentierte also das Spiel der Deutschen. Und, wie schlimm wurde es? Naja, es hätte schlimmer kommen können, gemessen an der nach oben offenen Schmelzer-Skala. Er brüllte auf jeden Fall nicht, als würde er auf dem Wochenmarkt sein Obst anbieten. Das war schon mal die erste angenehme Erkenntnis. Und er jubelte den eher mauen Kick der deutschen Frauen auch nicht zum glanzvollen EM-Auftakt hoch. Nächste angenehme Erkenntnis.

Dafür gefiel er sich in der Rolle des großen Taktikers. Da „soll die Spieleröffnung über die Dreier-Kette funktionieren“, und „es soll viel rotiert werden in der Raute“. Das hört sich gut an, und diese Sätze waren allemal besser als seine üblichen PR-Posaunenstöße.

Aber Schmelzer ist Schmelzer, er wird ja nicht plötzlich ein anderer Mensch, nur weil er jetzt über taktische Dinge redet. Bei Schweden – Deutschland war einfach nur Schmelzer light am Mikrofon. Als sich eine deutsche Spieler mit einer einfachen Körpertäuschung in den freien Raum bewegte, wo von Gegenspielerinnen weit und breit nichts zu sehen war, da jubelte Schmelzer fasziniert: „Ganz stark gelöst.“ Als hätte sie die einzige Lücke im dichten Abwehrverbund gefunden.

Ein Pass, der einfach schlecht gespielt war, ist bei Schmelzer nicht einfach eine simple Fehlleistung, sondern ein „Missverständnis“. Und als Anna Blässe einen Ball mit einem ganz normalen Kurzsprint noch vor der Auslinie rettete, da wurde sie von Schmelzer fast in den Helden-Stand erhoben. „Ganz stark, wie sie sich da reinhängt und um jeden Zentimeter kämpft.“ Ganz ohne Überhöhung kommt er halt nicht aus.

Schmerzfrei geht die Übertragung nicht zu Ende

Gut, Schmelzer war also einigermaßen schmerzfrei überstanden. Aber sollte diese Fußball-Übertragung etwa komplett erträglich enden? Trotz Schmelzer? Und ganz ohne die üblichen, völlig sinnfreien Fragen? Würde man so etwas noch erleben dürfen? Natürlich nicht, was für eine Frage. Es kam ja die Stunde der Field Reporter. Die Stunde der Fragen an ausgepowerte Sportler. Die Fragen der Kategorie: „Sie haben 5:0 gewonnen. Freuen Sie sich?“

Ins Bild rückten ein Mikrofon und Mandy Islacker, die mit einem Torschuss an der hervorragend reagierenden schwedischen Torhüterin Hedvig Lindahl gescheitert war. Und es kam der Satz des Reporters: Tolle Reaktion der Torhüterin, oder?“ Wenn wir richtig verstanden haben, antwortete Mandy Islacker: „Ach Quatsch, den Ball hätte auch ein rüstiger Rentner abgewehrt. Das war doch ein Lulli-Ball.“ Kann aber auch sein, dass wir uns da verhört haben.

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