Medien : Frauen im Fernsehgeschäft: "Männer können warten, Frauen nicht"

Connie Walther ("Das erste Mal", "Hauptsache Leben"): Es wird einem zwar nicht ins Gesicht gesagt, aber es gibt natürlich Vorbehalte von Männerseite gegenüber Frauen. Ein anderer Grund, warum es so wenige Regisseurinnen gibt, ist allerdings der private Bereich. Als ich Regieassistenz bei Dominik Grafs Film "Die Sieger" gemacht habe, da saßen wir bei der Warm-up-Party zusammen und mussten feststellen, dass alle Frauen am Set solo waren, die meisten Männer dagegen verheiratet und mit Kind. Männer wollen einfach nicht auf eine Frau warten, wenn sie nach 18 Stunden Dreh nach Hause kommt. Und dann womöglich noch was kochen. Frauen machen das. Ich glaube, das ist einer der Hauptgründe, warum Frauen nach der Filmhochschule schneller aufgeben. Naja, und dazu kommt natürlich noch, dass den Frauen, die am Set hart sind, ihre Weiblichkeit abgesprochen wird. Ich hieß nach einem Dreh mal "Der General". Was bei Männern positiv gewertet wird, kommt bei Frauen komisch rüber.

Nina Grosse ("Der gläserne Himmel", "Feuerreiter"): "Natürlich gibt es immer wieder Filmprojekte, bei denen ich denke, das wäre doch was für mich, und dann macht es doch ein Mann. Daran merkt man schon, dass Männer die Regie lieber an Männer vergeben. Sie trauen es den Frauen oft psychisch und physisch nicht zu, einen großen Film zu stemmen. Die haben Angst vor unserer Emotionalität. Wir reagieren ja auch wirklich anders. Wir sind in Stress-Situationen etwas schneller panisch, wir beruhigen uns aber auch wieder schneller als die Männer. Aber es geht bei großen Filmprojekten eben um sehr viel Geld und Risiko, und da passen Emotionen offenbar nicht dazu. Aber noch ärgerlicher ist, dass die Frauen, die in den oberen Etagen sitzen und entscheiden, nicht wie die Männer Seilschaften für einander bauen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben