Frauen im Internet : wwweiblich.de

Im Internet haben die Verlage mit speziellen Angeboten eine attraktive Zielgruppe entdeckt: die Frauen.

Elena Senft

Dass Frauen mit dem Internet nichts anfangen können und mit skeptischem Blick auf der Fernsehcouch sitzen, während der Ehemann fröhlich pfeifend am Computertisch hockt und Geburtstagsgeschenke bei „Amazon“ bestellt, bevor er später bei „Spiegel-Online“ noch einen Artikel online kommentiert, ist selbstverständlich ein Klischee. Geboren wurde das Klischee nicht nur deswegen, weil es einem hartnäckigen „Frauen-und-Technik…“-Mythos folgte, sondern auch deswegen, weil Frauen im Anfangsstadium der rasenden Internetverbreitung tatsächlich etwas vorsichtiger waren als Männer, was die Integration des Internets in den Alltag betraf.

Das hat sich mittlerweile geändert. Seitdem die Frauen online nachgezogen haben, sind sie im Internet zur absoluten Paradezielgruppe geworden, denn der Werbemarkt hat besonders im Frauenumfeld noch erhebliches Entwicklungspotenzial. Mit Frauen lässt sich im Netz Geld verdienen. Eine attraktive Zielgruppe. In den USA zum Beispiel sollen Frauen über 80 Prozent der Konsumausgaben entscheiden. Also her mit den Frauenthemen. Das weiß auch Hubert Burda Media. Der Verlag ist mit dem Portal „Bequeen“ bereits in den Frauenthemenmarkt eingestiegen, Yahoo ebenfalls („Shine“) sowie die Verlagsgruppe Holtzbrinck („Erdbeerlounge“), zu der der Tagesspiegel gehört. Dies sind nur wenige Beispiele, die zeigen, wie Frauen mit eigenen Internet-Angeboten gebunden werden. Diese setzen sich meist aus einem redaktionellen Teil und einem Mitmach-Teil zusammen, in dem Frauen bloggen oder in Foren posten. Die Netzerfahrung sagt: Frauen wollen Internet zum Mitmachen.

Glam ist das beste Beispiel

Bestes Beispiel für den bahnbrechenden Erfolg von Frauenangeboten im Netz ist die US-amerikanische Webseite „Glam“. „Glam“ ist ein Unternehmen, das in den USA verschiedene Blogs zu „Frauenthemen“ zusammengeschlossen und auf einer Webseite versammelt hat. Eine Plattform verschiedener Webseiten quasi, die man über „Glam“ erreicht. Die Seite „Glam“ macht in den USA Gewinne, was in Anbetracht der Tatsache, dass äußerst beliebte Seiten wie das „Facebook“-Netzwerk eher Verluste machen, schon erstaunlich ist. „Glam“ wird in den USA häufiger angeklickt als das Online-Lexikon „Wikipedia“. Auch in Deutschland erfreut sich der „Glam“-Ableger, eine Burda-Tochter, die Mitte 2008 vorgestellt wurde und die Mode-Webseiten wie luxusbabe.de, burdastyle.com, deluxe-label.de für sich gewinnen konnte, wachsender Beliebtheit.

Bei der „Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern“ (IVW) allerdings erscheinen genaue Zahlen über die Reichweite von Glam.de noch nicht. Sie werden erst nach dem ersten Quartal 2009 ausgewiesen. Bei Glam geht es thematisch – wie der Name bereits vermuten lässt – um gehobene, glamouröse Damenthemen. Hier spricht man nicht von Möbeln, sondern von „living“, nicht von Mode, sondern von „Fashion“. Diesem Stil schließen sich viele andere Frauenseiten wie „Cosmoty“ oder die Frauenseiten vom Verlag Condé Nast an.

Ebenfalls stilprägend (und thementechnisch ähnlich klischeehaft) bei den Internet-Angeboten für Frauen ist noch ein anderes Web-Portal. „goFeminin“, eine Springer-Tochter, Ableger der französischen Seite „aufeminin“, wurde im Dezember 2008 mehr als sechs Millionen Mal angeklickt. Bei der IVW ist sie klarer Marktführer unter den deutschen Frauenportalen. Wer jemals die Idee hatte, eine Hobbydiagnose auf seine eigenen Krankheitssymptome zu ergoogeln, kennt diese Seite, die übrigens auch als erster Eintrag auf den Suchbegriff „Beine rasieren“ und „fremdgehen warum“ erscheint und das Themenspektrum der Seite schon grob andeutet.

Jetzt wird die Internet-Community nur für den Mann geplant

Die Website lebt vom Frauenaustausch alltäglicher Problemchen und ihrem Forum, in dem eine derart rege Beteiligung herrscht, das man thematisch nahezu alles findet. Auch außerhalb des Forums, im redaktionellen Teil, bedient die Seite das typische Frauen klischee, das ja auch immer wieder bei klassischen Frauenzeitschriften greift. Es geht um die coolsten Anmachsprüche, um „zehn Tipps für mehr Selbstbewusstsein“ und die „heißesten Newcomer 2009“.

Die Seite „Hausfrauenseite“ bringt ihren Inhalt bereits im Namen unmissverständlich zum Ausdruck. Eine etwas staubig anmutende Website, auf der eine Frau, die sich „Kräuterhexe Monika“ nennt, ihre Lieblingsrezepte verrät und der aktuellste Beitrag sich thematisch dem korrekten Vorgehen bei der Vogelfütterung widmet. Bei „Netmoms“ gibt es einen Impfkalender fürs Kind. Der neueste Beitrag im Forum trägt die Überschrift „Ekzem“.

„Glam“ und „gofeminin“ gerieren sich gern als Konkurrenten im deutschen Frauenthemen-Markt. Dabei gibt es bei „Glam“ die Louis-Vuitton-Taschen, und bei „goFeminin“ heißt es in der Überschrift „Mäntel unter 200 Euro“. Das Feld ist groß, für alle Platz. Und falls es doch mal eng wird: Das US-Unternehmen Glam Media plant bereits eine deutsche Internet-Community – nur für den Mann.

www.glam.de

www.erdbeerlounge.de

www.gofeminin.de

www.bequeen.de

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