Frauen in den Medien : Aufsteigen und Aussitzen

Der Verein ProQuote zieht eine gemischte Jahresbilanz. Eins hat die Initiative 2012 auf jeden Fall geschafft.

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Vor genau einem Jahr hatten etwa 350 Journalistinnen – von der Volontärin bis zur Fernsehintendantin – einen Brief an Chefredakteure, Intendanten und Verleger deutscher Medien geschrieben, in dem sie 30 Prozent der Führungspositionen für Frauen forderten. Seitdem haben sich 4000 Kollegen dem Aufruf angeschlossen. Im Juni 2012 gründete sich der Verein ProQuote, der am heutigen Samstag mit einer großen Party, zu der auch Bundesministerin Ursula von der Leyen kommen wird, seinen ersten Geburtstag feiert.

Auf einer Bilanzpressekonferenz zog Annette Bruhns, Vorsitzende von ProQuote und „Spiegel“-Redakteurin, gestern eine gemischte Bilanz: „Wir haben einerseits greifbare Erfolge zu verbuchen. Überall sind mehr Frauen aufgerückt, auch in Chefredaktionen – etwa bei der ,Berliner Zeitung‘ oder bei ,Bild‘. Andererseits versuchen immer noch einige Chefredakteure, unser Anliegen einfach auszusitzen.“ Den geringsten Anteil an Frauen unter den untersuchten 14 überregionalen Medien und vier großen Regionalzeitungen weisen die „Süddeutsche Zeitung“ und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ mit neun Prozent auf. Spitzenreiter ist mit 50 Prozent die „taz“, gefolgt von der „Berliner Zeitung“ mit 40 Prozent. Das Gros der Redaktionen liegt bei rund 20 Prozent. Beim Tagesspiegel sind es 21 Prozent.

Anfang November konnte ProQuote dem „Stern“ zu seinen neuen Zielvereinbarungen bewegen. So sollen dort beispielsweise in der Endauswahl einer Stellenbesetzung mindestens 30 Prozent Frauen auf der Shortlist stehen und bei gleicher Qualifikation bevorzugt werden. Außerdem sieht es so aus, dass unter den neuen stellvertretenden Chefredakteuren beim „Stern“ auch eine Frau sein wird. „Die Zeit“, die dem Thema auf den ProQuote-Brief hin prompt eine Titelgeschichte gewidmet hatte, beschäftigt mittlerweile 30 Prozent Frauen in der höheren Hierarchie. Drei Frauen für einen Führungsposten fand „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo über einen Headhunter, allerdings nur um festzustellen, dass die bereits bei der „Zeit“ arbeiteten. Mit einem Headhunter arbeitet mittlerweile auch ProQuote zusammen. „Jeder kennt das Argument, es gäbe nicht genügend qualifizierte Frauen“, sagte Bruhns. „Und wir treten jetzt den Beweis an: Hier sind wir.“

2012 hatte sich der Verein immer wieder zu Wort gemeldet. Etwa zur Männerdominanz im SWR-Direktorium oder in der Henri-Nannen-Jury. Im Dezember zeichnete das „Medium Magazin“ ProQuote als „Journalistinnen des Jahres 2012“ aus. „Was wir auf jeden Fall mit unserer Initiative geschafft haben, ist“, sagt ProQuote-Mitglied Silke Burmester, „dass das Thema nicht mehr verschwindet. So weit waren wir in den letzten 20 Jahren nie.“

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