Frauen in den Medien : Was ProQuote bislang erreicht hat

Seit sechs Monaten gibt es die Initiative ProQuote. Ihr Ziel: Mehr Frauen in Führungspositionen in den Medien. Doch allzu viel tut sich in den Redaktionen von "Spiegel", "Stern" und "Zeit" bisher nicht.

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Anstandsdame. Mit Judith Rakers durfte eine Frau den Henri-Nannen-Preis moderieren, die Auszeichnungen aber gingen dieses Jahr ausschließlich an Männer. Foto: dpa
Anstandsdame. Mit Judith Rakers durfte eine Frau den Henri-Nannen-Preis moderieren, die Auszeichnungen aber gingen dieses Jahr...Foto: picture alliance / dpa

Ein Blick nach Hamburg. Beim „Spiegel“sitzt weiterhin keine Frau in der Chefredaktion, beim „Stern“ und der „Zeit“ ebenfalls nicht. Dafür aber hat die „Brigitte“ einen neuen Mann. Stephan Schäfer heißt er, er leitet bei Gruner + Jahr bereits vier Magazine und löst nun Andreas Lebert ab, der zehn Jahre lang Chefredakteur der Frauenzeitschrift war. „Na super, ein Mann ersetzt den anderen ...“, empören sich die Frauen von ProQuote auf ihrer Facebook-Seite.

Sechs Monate ist es jetzt her, dass sich die Initiative gegründet hat. Die Initiatorinnen wollen es nicht länger hinnehmen, dass nur zwei Prozent aller Chefredakteure der rund 360 deutschen Tages- und Wochenzeitungen Frauen sind. Ihnen gefällt nicht, dass von den zwölf Intendanten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks lediglich drei weiblich sind und an der Spitze der Nachrichtenmagazine fast ausschließlich Männer stehen. Deshalb schrieben sie Ende Februar einen Brief an Chefredakteure, Verleger und Intendanten und forderten: „Mindestens 30 Prozent der Führungspositionen in den Redaktionen sollen im Laufe der nächsten fünf Jahre mit Frauen besetzt werden – und zwar auf allen Hierarchiestufen.“

350 Frauen gehörten zu den Erstunterzeichnerinnen, inzwischen sind es knapp 4000 Unterstützerinnen. Und Unterstützer. Haben sie mehr geschafft als die Unterschriftenliste zu verlängern? Viele Chefredakteure hatten schnell auf den Brief geantwortet, eine Personalpolitik versprochen, die mehr Frauen berücksichtigt. Waren das nur warme Worte? Oder hat sich in den Redaktionen seither tatsächlich etwas getan? Und falls ja, ist das ProQuote zu verdanken?

„Spiegel“-Chefredakteur Georg Mascolo hatte als Reaktion auf den Brief gesagt: „Das Ziel ist mehr Frauen in allen Führungspositionen, bis hinauf in die Chefredaktion“. Nun, das mit der Chefredaktion hat bisher nicht geklappt. Immerhin aber werden drei Führungspositionen mit Frauen besetzt. Britta Sandberg wird Leiterin des Ressorts Ausland, Juliane von Mittelstaedt ihre Stellvertreterin und Christiane Hoffmann wechselt von der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ als stellvertretende Leiterin ins „Spiegel“-Hauptstadtbüro. Drei „Quotenfrauen“?

„Nein“, sagt Mascolo, „sie sind aufgrund ihrer Eignung ausgewählt worden.“ Die Reaktionen in der Redaktion seien „durchweg positiv“ gewesen.

Gar nicht positiv kam es zuvor bei den „Spiegel“-Frauen an, dass mit Marcel Rosenbach wieder ein Mann als neuer Vize-Ressortleiter Wirtschaft zum Zuge kommen sollte. Mascolo nehme es mit der Frauenfrage wohl doch nicht so ernst, so die Kritikerinnen. Obwohl Rosenbach bereits als gesetzt galt, bewarben sich mehrere Frauen auf die Stelle – auch als Antwort auf Mascolos Aussage, dass der „Spiegel“ den Zielen von ProQuote nur „einen großen Schritt“ näher komme könne, wenn Frauen auch tatsächlich Top-Positionen wollen. Heute sagt er: „Ich habe nicht das Gefühl, dass Frauen beim ,Spiegel‘ nicht in Führungspositionen drängen.“

Dazu sollen sie künftig noch mehr Gelegenheit bekommen. Die Besetzung der drei Stellen im Auslandsressort und im Hauptstadtbüro „ist ein erster Schritt und nicht das Ende der angestrebten Veränderungen beim ,Spiegel‘“, versichert Mascolo. Wann die erste Frau in die Chefredaktion aufrückt, sagte er nicht.

„Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo ist die Initiative ProQuote sogar einen Leitartikel wert gewesen. Er versprach im Namen der „Zeit“-Chefredaktion: „Wir nehmen den Ball auf und werden alles in unserer Macht Stehende tun“, der Forderung von ProQuote, „gerecht zu werden.“ Bisher hat sich bei der „Zeit“ nicht viel getan – aber was nicht ist, wird werden, versichert di Lorenzo: „Wir arbeiten an dem Ziel und sind guten Mutes. Denn das Ziel nicht zu erreichen, wäre ein Armutszeugnis sondergleichen“.

Auch „Stern“-Chefredakteur Thomas Osterkorn schrieb der Initiative nett zurück. Es sei sein „erklärtes Ziel“, die Hälfte aller Führungspositionen an Frauen zu vergeben“. Wie nah er diesem Ziel nach sechs Monaten ist, dazu äußert er sich derzeit nicht.

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