Medien : Frauen machen’s möglich

Film der Woche: Nachwuchsstar Alexandra Maria Lara versucht sich als coole Gangsterbraut

Christina Tilmann

Das Leben ist kein Brausepulver. Manchmal aber eine Schlaftablette. Findet zumindest Johanna „Paula“ Jakobi aus Struvensiel bei Hamburg. Große Träume beim Abiball, cooler Auftritt mit Cowboyhut, Schriftstellerin will sie werden, aber erst mal eine Weltreise mit Freund Max. Doch am nächsten Tag regnet es in Strömen, Freund Max kommt nicht, und zehn Jahre später ist Paula immer noch in Struvensiel, jobbt halbtags in der Leihbücherei, und daheim wartet Ehemann Edgar aufs pünktliche Mittagessen.

„Wenn du aufhörst zu träumen, hörst du auch auf zu leben“ philosophiert Mark Schlichters Filmdebüt „Cowgirl“ von 2004, und die verträumte Paula hat plötzlich ganz viel Leben, mehr als sie jemals haben wollte. Beim Abitreffen taucht Max wieder auf, und mit ihm eine ganze Menge Probleme. Plötzlich hat Paula die Hamburger Unterwelt auf dem Hals, einen toten Mafiaboss, dessen debile, doch höchst brutale Söhne und einen korrupten Polizisten obendrein. Nicht, dass sie das schrecken würde: „Männer sehen immer nur Probleme. Frauen sehen Möglichkeiten“, lautet Paulas Devise. Sie nimmt sich die „Murderous Lady“ aus einem Film noir als Vorbild. Und auch wenn sie zehn Jahre nicht Auto gefahren ist – eine Verfolgungsjagd samt 180Grad-Wende kriegt sie allemal noch hin.

Wahrscheinlichkeit ist nicht unbedingt eine Kategorie, mit der man sich Mark Schlichters überdrehter Gangster-Komödie nähern sollte. Tiefgang auch nicht unbedingt, die Binsenweisheiten hageln nur so aus dem Off. Aber wie wär’s mit Glaubwürdigkeit? Alexandra Maria Lara, seit ihrer Rolle als Sekretärin Traudl Junge in Bernd Eichingers und Oliver Hirschbiegels „Untergang“ der Shooting-Star des deutschen Kinos, soll erst ein Mauerblümchen spielen und dann die coole Gangsterbraut und am Schluss die selbstbestimmte Frau.

Den naiven Tonfall aus dem Off, mit dem Paula über das Leben, die Liebe und das Glück philosophiert, hat sie gut drauf, keine Frage. Doch weder dunkle Brille noch Kapuzenmütze können verbergen, dass diese Frau zu glamourös, zu eigenständig ist, um zehn Jahre in der norddeutschen Provinz zu versauern: Unterforderung ist ein zu milder Ausdruck dafür. Da hat Helmut Dietl, der sie 2004 in „Vom Suchen und Finden der Liebe“ zum liebeskranken Engel verklärte, mehr Menschenkenntnis bewiesen. Steuerberater Edgar als Mann, und ein Leben mit dem Fernsehnachmittagsprogramm sind jedenfalls das falsche Rüstzeug für die „murderous Lady“, und auch Freund Max (Wotan Wilke Möhring) bleibt zwar charmant, doch eher blass.

Und so dümpelt „Cowgirl“, trotz spektakulärer Stunts in der Hamburger Hafencity, eleganter Schwenks von Kameramann Frank Griebe und großartig besetzter Nebenrollen (Peter Lohmeyer als dickbrilliger Ehemann Edgar, Gottfried John als melancholisch-korrupter Cop) ziemlich mühsam vor sich hin. Je schneller die Autojagden, Schiffsexplosionen, Angriffe per Hubschrauber, Schießereien und Entführungen aufeinanderfolgen, desto mehr verliert die Story an Tempo. Am Ende kehrt Paula per Fahrrad ins Leben zurück. Da hat der Film zu sich gefunden.

„Cowgirl“, Freitag, Arte, 20 Uhr 40

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