Frauen & Fusel : Ein Kerl von einem Mann

„Two and a Half Men“: Warum die amerikanische Sitcom mit Charlie Sheen auch in Deutschland so erfolgreich ist.

Desirée Brenner
Diese Ähnlichkeit ist gewollt. Der Charlie Harper führt ein Serien-Lotterleben, wie es der echte Charlie Sheen ebenfalls führt. Mit rund zwei Millionen Dollar pro Folge bestbezahlter Schauspieler im US-Fernsehen, ist Sheen immer für einen Skandal gut. Foto: Pro 7
Diese Ähnlichkeit ist gewollt. Der Charlie Harper führt ein Serien-Lotterleben, wie es der echte Charlie Sheen ebenfalls führt....

Prostituierte, Masturbation und Mutterkomplex, das sind drei Themengebiete, die jeden Dienstag bei zweieinhalb Millionen Deutschen Lachreize verursachen. Sie alle sehen beim Privatsender Pro 7 einem Mann, der nicht alt werden will, dabei zu, wie er mit vielen verschiedenen Frauen (die noch nicht alt geworden sind) in seinem am Malibu Beach gelegenen Schlafzimmer verschwindet, viel Alkohol trinkt oder mit seinem Bruder darüber redet, wie er mit vielen Frauen in seinem am Malibu Beach gelegenen Schlafzimmer verschwindet oder viel Alkohol trinkt. So funktioniert „Two and a Half Men“, die derzeit erfolgreichste Sitcom in den USA. Der Mann, der nicht alt werden will, heißt in der Serie Charlie Harper und im wahren Leben Charlie Sheen.

Der Charlie in der Serie amüsiert Menschen in über 40 Ländern mit seinem leichten Leben und seiner Vergnügungssucht. Er ist ein Werbejingle-Produzent, der mit wenig Mühe oder Talent viel Geld gemacht hat, und dessen einzige Aufgabe darin besteht, es auszugeben. Dabei helfen ihm Prostituierte, sein Bruder Alan, der von seiner Frau aus dem Haus geworfen wurde, und dessen Sohn Jake, die aber als Charaktere kaum interessant sind. Erwähnenswert sind vor allem die stämmige Haushälterin Berta, die heimlich die beiden Brüder manipuliert und mit ihrem brutalen Blick auf das Leben amüsiert, die unsensible, dominant-frostige Anti-Mutter Evelyn und Charlies Stalkerin Rose, deren ebenso bedingungslose wie wahnwitzige Vernarrtheit bei Charlie immer wieder für echte Rührung sorgt.

Das ist schön, erklärt aber nicht die hohen Einschaltquoten. Bei anderen Serien muss man nämlich nicht erst bei den Nebenfiguren nach Originalität suchen. Da wäre zum Beispiel die Sitcom „The Big Bang Theory“ (dritte Staffel läuft Anfang 2011 auf Pro 7), in der vier exzentrische Physiker mit der Welt außerhalb ihrer Expertise konfrontiert werden. Oder die satirische Büro-Comedy „Better off Ted“ (jeden Donnerstag um 23 Uhr 05 auf Comedy Central), die bereits nach zwei Staffeln abgesetzt wurde. Darin kämpft Ted Crisp, Abteilungsleiter des skrupellosen Konzerns Veridian Dynamics, gegen die Unmoral in seinem Unternehmen sowie gegen seine eigene Verrohung. Der Witz der Serie ist manchmal zynisch, manchmal rührend komisch, die Charaktere tief, die Themen der Episoden abwechslungsreich. Ganz anders als bei „Two and a Half Men“, wo es am Ende doch wieder nur um Charlie geht, um viele verschiedene Frauen und um Alkohol.

Auch die These, der Erfolg der Serie könne mit den Skandalen zusammenhängen, die der echte Charlie, der mittlerweile 45-jährige Sohn des Charakterdarstellers Martin Sheen, kontinuierlich produziert, währt nicht lange. Sie sind nicht lustig – und dürften kaum als Werbung für eine Sitcom taugen. Etwa der Vorfall Weihnachten 2009 in Aspen, als Sheen seine dritte Ehefrau Brooke Mueller mit einem Messer bedroht haben soll.

Vielleicht wünschen sich heute viele Männer einfach, sie könnten sich selbst erlauben, so zu sein wie Charlie Harper: so bequem, so egalitär und so zufrieden mit der eigenen Oberflächlichkeit, dem leichten Leben. Das erscheint umso plausibler, wenn man bedenkt, dass Männer sich in der westlichen Welt zurzeit gerade neu erfinden. Plötzlich sind sie nicht mehr die Einzigen auf dem Arbeitsmarkt, sollen ihre Kinder genauso ausgiebig und verantwortungsbewusst wie die Mütter hüten und gleichzeitig im Beruf nach wie vor erfolgreich sein. Da erscheint das wöchentliche Eindringen in die Welt des notorischen Verführers, der sämtliche Probleme in seinem Leben auf seine Mutter zurückführen darf, wie eine willkommene Flucht in die Vergangenheit.

Auch für Frauen bietet die Serie Anknüpfpunkte für die eigene Nostalgie. Jede Frau, die schon einmal mit dem „Ich weiß nicht, was ich will“-Satz konfrontiert wurde, die sich regelmäßig mit Frisur, Selbstwertgefühl und Sexualproblemen ihres männlichen Partners auseinandersetzen muss, wünscht sich ab und an eine Auszeit. Die Serie erinnert sie dann für 20 schnelllebige Minuten an eine Zeit, in der Männer noch so durchschaubar waren wie Charlie Harper.

„Two and a Half Men“, 21 Uhr 15, Pro 7

17 Kommentare

Neuester Kommentar