Medien : Frauengeschichten

Doppelporträt von Katarina Witt und Nina Hagen im WDR

Thomas Gehringer

Zwei Frauen, zwei völlig verschiedene Lebenswege: Auf den ersten Blick haben der „wild gewordene Tuschkasten“, so Ex-Manager Jim Rakete über Nina Hagen, und „das schönste Gesicht des Sozialismus“, so die westliche Boulevardpresse nach dem ersten Olympiasieg von Katarina Witt, wirklich nichts miteinander gemein. Außer dass ihre Biografien reichlich Stoff zur deutsch-deutschen Zeitgeschichte bieten, jede auf ihre Weise. Und dass sie denselben Vornamen haben, denn Nina Hagen heißt mit vollem Namen Catharina.

Die Dokumentation „Katarina & Catharina“ (WDR Fernsehen, 23 Uhr) führt die Idee der Doppelporträts weiter, die Autor Lothar Schröder im vergangenen Jahr bereits eine Grimme-Preis-Nominierung einbrachte. Damals porträtierte er zwei Helmuts: Helmut Thoma und Helmut Kohl. Diesmal legt er dreimal zwei Frauen-Porträts vor: Nach dem Auftakt mit der Sängerin Nina Hagen und der Eiskunstlaufkönigin Katarina Witt folgen „Uschi & Uschi“ (16. Mai über Uschi Obermaier und Uschi Glas) sowie „Hilde & Hilde“ (23. Mai über Hilde Benjamin und Hilde Knef).

Der seltsame Kunstgriff, nach Persönlichkeiten mit demselben Vornamen zu suchen, hat symbolischen Wert: Lothar Schröder sucht nach überraschenden Parallelen und zugleich nach den Unterschieden im Umgang mit ähnlichen Erfahrungen. Nina Hagen als Sängerin und Kati Witt als Sportstar waren beide in der DDR prominent und natürlich Zielobjekte der Stasi. Nina Hagen „war ein Clown, und trotzdem hatte sie Sex- Appeal“, erinnert sich Mutter Eva-Maria. Das konnte in der DDR nicht gut gehen. 1976, einen Monat nach Wolf Biermann, wurde die damals 22-Jährige ebenfalls in den Westen ausgebürgert. „Mir kam das sehr gelegen“, erklärt Nina Hagen heute. Katharina Witts Karriere fing da gerade erst an. Sie sollte – trotz Sex-Appeal – brave DDR-Bürgerin bleiben, die die vergleichsweise bescheidenen Vorzüge gerne genoss. Nach ihrem Olympiasieg 1988 sprengte sie die Grenzen allerdings auf ihre Weise: Als erste Ost-Sportlerin schloss sie einen Vertrag mit „Holiday On Ice“ ab. Das brachte ihr sieben Millionen Mark, von denen allerdings der DDR-Staat fünfeinhalb kassierte. „Parallel zum Aufstieg von Katarina Witt läuft der Untergang der DDR“, lässt Autor Schröder trocken kommentieren.

So geht es zu in seinem Doppelkopf-Spiel mit dem Zeitgeist: ironisch, zuweilen frech und kurios, jedenfalls ohne moralische Besserwisserei. Gemeinsam mit Archivbildern und kurzen Interviews ergibt das eine unterhaltsame Schnipseljagd durch die Zeitgeschichte. Nina Hagen und Kati Witt sind sich nie begegnet, heißt es. Schön, dass sie wenigstens auf diese Weise zusammenkommen.

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