Medien : Frauenmagazin: Neue Medien braucht die Frau

Ulrike Simon

Spieglein, Spieglein an der Wand, wie bleiben Werbung und Medien für Frauen interessant? Frauen gelten schließlich als absolut konsumfreudig und damit in jeder Lebensphase und mit jeder Lebenseinstellung als interessant: Entweder sind sie jung, dann geben sie sowieso Geld aus. Oder sie sind nicht berufstätig, verfügen aber dafür über Zeit und über das Einkommen ihres Mannes. Oder sie sind berufstätig, verdienen eigenes Geld und geben es auch selbst aus. Nicht minder interessant dürften jene gut verdienenden Frauen sein, die sich gern etwas leisten, auf der Karriereleiter einige Sprossen bewältigt und entsprechend ein paar Jahre mehr auf dem Buckel haben. Wie auch immer, Hauptsache, sie kaufen - und sind damit eine "werberelevante Zielgruppe", wie das immer so schön heißt.

Üblicherweise setzt die Werbung auf alles, was jung und hip ist. Im Fall von reiferen - besser: erwachsenen - Frauen, hat die Werbung längst begriffen, dass sich Faltencremes besser an Frauen verkaufen lassen, an denen auch schon die eine oder andere Falte zu sehen ist. Und dass man, ohne Glaubwürdigkeit zu verlieren, dafür nicht mit einem 20-jährigen Model werben kann. Kosmetikprodukte für "die Haut ab 40" gibt es mittlerweile en masse. An ein Frauenmagazin für die Frau ab 40 hat sich hingegen bislang kein großer Verlag herangewagt. Wohl sind die klassischen Frauenzeitschriften mit ihren Leserinnen gealtert. Aber das störte die Verlage eher. Meist hieß es dann, ein Relaunch sei notwendig, um das Blatt "jünger zu positionieren". Wohl hat etwa der Axel Springer Verlag bis vor zwei Jahren an einer Frauenzeitschrift für 40-Jährige gebastelt. Der Verlag wollte neben der jungen "Allegra" einen weiteren Titel haben, um seinen Anzeigenkunden die gesamte weibliche Zielgruppe verkaufen zu können. An den Kiosk getraut hat sich Springer dann doch nicht. Wöchentliche Frauenzeitschriften hingegen gelten als Blätter mit Anzeigen für Produkte gegen Rheuma und Krampfadern. Diese Klientel stirbt langsam weg. Der Versuch, junge Frauenillustrierten herauszubringen, glückte zuletzt durchaus. Diese Titel sind aber allesamt Billigblätter, funktionieren entsprechend, wenn überhaupt, nur im Vertriebs-, aber nicht im Anzeigenmarkt. Und der Bedarf dafür ist in Anbetracht der Titelvielfalt begrenzt. So richtig attraktiv ist das alles jedoch nicht. Gruner + Jahr hat sich nun getraut. Nach einer ersten Testausgabe kam gestern "Brigitte Woman" an den Kiosk. Das Magazin erscheint künftig viermal im Jahr, vielleicht bald monatlich. So wie "Brigitte Young Miss", mit der "Brigitte", Inbegriff der deutschen Frauenmagazine, seit Jahren junge Leserinnen bis 25 Jahre anspricht.

"Brigitte Woman" (Druckauflage: 220 000 Exemplare) kostet 6 Mark 50. Verlagsleiter Jörg Plathner rechnet damit, dass das Magazin 150 000 Käuferinnen finden wird. Immerhin werde die Zielgruppe der über 40-Jährigen immer wichtiger, weil ihre Zahl von 13,8 Millionen (2000) auf 14,7 Millionen im Jahr 2020 steigen wird. "Brigitte Woman" widmet sich hauptsächlich der Mode, Psychologie und Partnerschaft, aber auch Wohnen, Beauty, Literatur, Beruf, Geld, Medizin und Reise. Die Mode wird durchgehend von Frauen zwischen 40 und 60 Jahren präsentiert, zum Teil von Model-Amateuren. Damit will Tania Miglietti, Vize-Chefin von "Brigitte", "dem Jugendwahn Einhalt gebieten". "Brigitte Woman" biedert sich nicht an und wirkt auch nicht künstlich, sondern sorgt für eine angenehme und ausgeruhte Lektüre mit ansprechender Optik.

Zurück zum Geld verdienen, die Verlage machen solche Zeitschriften ja nicht aus Nächstenliebe. Große Auflagen sind passé, und kleine Nischenprodukte mögen ganz nett sein. Doch das kann nicht alles sein. Schließlich gibt es das Internet, wo man so bequem per Mausklick Geld ausgeben kann. Die Verlage müssen es nur irgendwie schaffen, das Bedürfnis, online einkaufen zu gehen, so richtig zu wecken. Nachdem G + J gerade das Internet-Portal livingathome.de vorgestellt hat, will der Verlag demnächst in Women New Media die Online-Angebote von "Brigitte" mit ihren Ablegern und "Eltern" vereinigen und so Frauen in allen Lebenslagen Inhalte und Produkte anbieten.

Auch andere Verlage sind nicht untätig: Bereits gestartet ist die Burda-Zeitschrift "Vivian", die auf neu gemischte und grafisch aufgepeppte Themenvielfalt setzt. Die erste Ausgabe der noch etwas unübersichtlichen "Vivian" für "moderne Frauen" hat gerade mal 150 000 Hefte verkauft. Dazu gibt es "vivian.com" - die moderne Frau muss schließlich auch im Internet ihren angeblichen Verhaltensweisen (Tratschen, sich schön machen, einkaufen gehen) folgen. Vor allem nach Letzterem sehnen sich die Medienhäuser. Und auch Springer arbeitet an einem Frauen-Portal. "Alma" heißt der Arbeitstitel, Mitte Januar soll es soweit sein. Chefredakteurin ist Sylvia Ostermann, früher bei "Bild" in Hamburg und bis Ende Mai dieses Jahres Mitglied der Chefredaktion von RTL/ProSieben Schweiz Fernsehen, wo sie zwei Boulevardmagazine produzierte. Die 37-Jährige arbeitet mit ihrer Stellvertreterin Heidrun Bobeth und einem Dutzend Journalistinnen an einem Frauen-Portal, das viel Service bieten und gemeinsam mit dem Otto-Versand Mode, Lifestyle-Produkte, Reisen und vieles anderes mehr verkaufen soll.

Und dann gäbe es da noch die Möglichkeit, jenen Frauen etwas zu bieten, die die Nase voll haben von Klischees, die keine Zeit haben, sich um Frauenkram zu kümmern und an ihren Müttern wohl bis zum Lebensende verzweifeln. Spaß haben wollen sie, und sie amüsieren sich köstlich über Ratschläge, die Medien ihren Leserinnen in Frauen- und Lesern in Männermagazinen mit auf den Weg geben. "Fritz" heißt das freche Blatt. Doch es ist nur ein Arbeitstitel, das Magazin gibt es offiziell gar nicht. Entwickelt wird es beim Axel Springer Verlag. Ob der sich damit an den Kiosk traut - man wird sehen. Aber auch solche Frauen wollen Geld ausgeben und wissen, wie Internet geschrieben wird. Und auch sie schauen täglich in das Spieglein an der Wand.

0 Kommentare

Neuester Kommentar