Frauenmagazine : ''Emmas'' Töchter

Sport, Computer, Porno: Frauenmagazine entdecken Männer-Themen.

Dörthe Nath
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Zeitschriften wie "Existenzielle" bringen keine Schmink-Tipps, sondern Fakten. -Foto: Promo

Auf den ersten Blick wirkt das Magazin nicht ungewöhnlich: Pocketformat, in Hochglanz gedruckt, vom Cover lächelt eine Sängerin der „No Angels“ und es hat einen Titel, der irgendwie süß klingt: „Play Vanilla“. Zwischen Frauenmagazinen wie „Young“ oder „Joy“ fällt das Blatt im Kioskregal kaum auf. Dabei ist „Play Vanilla“ keine normale Frauenzeitschrift, sondern ein Gaming-Magazin – ein Heft für weibliche Fans von Computer- und Videospielen. Damit widmet sich das Magazin einem Thema, das zumindest auf dem Zeitschriftenmarkt bislang eher Männern vorbehalten war. Neuerdings gibt es immer mehr solcher Magazine, die wie „Play Vanilla“ Männerthemen für Frauen aufbereiten. Beispielsweise buhlt im Sport-Segment die Snowboard-Zeitschrift „Spare Magazine“ um Käuferinnen, im Wirtschaftsbereich will die „Existenzielle“ Frauen fit für die Selbstständigkeit machen. Und mit dem „Jungsheft“ gibt es sogar eine Erotik-Zeitschrift für Leserinnen.

Diesen Trend der neuen Special-Interest-Magazine fürs weibliche Publikum erklärt Jutta Röser, Professorin für Kommunikationswissenschaft an der Universität Lüneburg: „Neue Zeitschriftenkonzepte verweisen immer auch auf sozialen Wandel, auf neue Fragen oder neue soziale Gruppen, die in der Gesellschaft wichtig geworden sind. Aber gegründet wird auch, wenn sich neue Zielgruppen abzeichnen, für die interessierte Anzeigenkunden bereitstehen.“

Und die zeigten sich „Play Vanilla“-Chefredakteurin Petra Fröhlich beim Blick in die Branche. Denn während Hersteller von Computerspielen Frauen längst als Zielgruppe entdeckt haben, habe es vor „Play Vanilla“ kein spezielles Computer-Magazin für Frauen gegeben. Im vergangenen April reagierte die Marquart-Gruppe („Joy“, „Glamour“) darauf und bietet seither alle zwei Monate mit „Play Vanilla“ Weblog-Rezepte, Einkaufstipps für Laptops und Spieltests in einer Druckauflage von 70 000 Exemplaren (Verlagsangaben). Der Unterschied zu Heften wie „PC Games“: Männer lesen Technik-Geschichten, Frauen bevorzugen Artikel über Spiele, die liebevoll gemacht und leicht verständlich sind. Männer spielen mit Action, Frauen mögen digitale Seifenopern. Fröhlich war von dieser Leserbefragung überrascht: „Da werden tatsächlich billige Klischees bedient.“

Solchen Klischees wollen die Macherinnen vom „Spare Magazine“ ausweichen. Die Grundregel der Snowboard-Zeitschrift für Mädchen und Frauen: „Bloß kein rosa Magazin mit Blümchen“, wie Anke Eberhardt, eine der beiden Chefredakteurinnen sagt. Seit vergangenem Oktober liegt das „Spare Magazine“ zwei Mal im Jahr mit 41 000 Exemplaren am Kiosk (Verlagsangaben). Weitere Regel des Blattes: Keine Bilder von männlichen Fahrern, sondern nur von fliegenden Boarderinnen. Berichte über männliche Musiker und Fotografen sind dagegen erlaubt. „Der Frauenstempel ist nicht immer nötig“, sagt Eberhardt. So gibt es unter anderem Modestrecken mit und ohne Schnee und Reiseberichte. Willkommener Nebenaspekt ist die Förderung des Frauensports: „Ein Bild von einem Mädchen, dass mit seinem Showboard drei Meter in der Luft hängt, spornt an“, sagt Eberhardt. Offenbar auch die Anzeigenkunden – die laut Eberhardt positiv auf das Heft reagieren.

Beim „Jungsheft“, dem Porno-Magazin für Frauen, spielen Anzeigen dagegen keine große Rolle. Vielmehr betrachtet Elke Kuhlen, eine der beiden Macherinnen, das Heft als Hobby, die 1500 Exemplare erscheinen seit 2005 im Eigenverlag. Zu sehen sind darin keine inszenierten Modell-Posen, sondern ganz normale Jungs – so, wie es sie bisher nur im eigenen Bett zu sehen gab.

Auch die Gründerinnen-Zeitschrift „Existenzielle“ ist das Ergebnis eines Lückenfunds. Weil Unternehmerinnen bislang weder in Frauen- noch in Wirtschaftsmagazinen ausreichend präsent seien, will Herausgeberin Andrea Blome zeigen, „dass es eine bunte und vielfältige Unternehmerinnenkultur gibt“. Bis zu 30 000 Käuferinnen sollen sich dafür interessieren – so hoch ist die Druckauflage (Verlagsangabe). Blomes Motivation ist frauenbewegt: Es gehe um die Abschaffung eines Defizits. „Solange die großen Magazine Frauen nicht wahrnehmen, solange muss es extra Frauentitel geben, um Frauen zu fördern“, sagt die 41-Jährige.

Ein Ansinnen, dass die jüngeren Blattmacherinnen nicht unbedingt teilen. „Unser Magazin setzt sich nicht zum Ziel, dass Frauen eine Männer-dominierte Szene erobern“, sagt „Play Vanilla“-Chefin Fröhlich. Die Computerexpertin würde sich ebenso wenig wie Snowboarderin Eberhardt und Porno-Heft-Herausgeberin Kuhlen als Feministin bezeichnen. Wenn sich die Journalistinnen mit der Frauenbewegung in Beziehung setzen, dann am ehesten als Profiteurinnen von deren Errungenschaften.

Irgendwie passend, dass das einzige Gratis-Rezensionsexemplar des „Jungsheft“ an die Zeitschrift „Emma“ ging. Ein Artikel über das Porno-Heft für Frauen ist dort jedoch nie erschienen.

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