Medien : Frauwerden

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Das Football-Team "Berlin Thunder" erhebt den Anspruch, zweitbeliebteste Mannschaft der Stadt zu sein, nach der Hertha. Wahrscheinlich ist das ein bisschen überzogen, es gibt schließlich noch die Fußballer von Union und die Basketballer von Alba - aber, immerhin, zu den Spielen von Berlin Thunder kommen 10 000 Leute, und sie sind in der Europaliga.

Die Regisseurin Alice Agneskirchner hat dazu eine fünfteilige Doku-Serie gedreht: "Cheerleaders Stories", die Arte von heute an bis zum Freitag jeweils um 20 Uhr 15 zeigen wird. Eine fremde, seltsame Welt ist das, diese Mädchen um die zwanzig, die in knappen Klamotten im Stadion tanzen, jubeln und singen. Ein höchst fragwürdiges Frauenbild, selbstverständlich! Aber Alice Agneskirchner interessiert sich nicht dafür, wie die Menschen gefälligst sein sollten. Sie mag die Menschen so, wie sie sind. Von ihr stammen hinreißende Porträts von Berliner Frisören, von Hundehaltern und Schwimmbadbesuchern, von einem Essener Revierpolizisten. Sie ist eine Chronistin der kleinen Leute und ihrer kleinen Träume, genau und ohne jeden Dünkel. Ihre Filme sind gleichzeitig warm und lustig. Die Cheerleader träumen heimlich von einer Showkarriere, das Cheerleadern ist ihr erster Schritt ins Licht, dem ein zweiter meistens nicht folgt.

Die Serie hat die Schwäche, außer der Trainerin, einer Amerikanerin wie aus dem Bilderbuch, kein wirkliches Zentrum zu haben. Zu schnell wechselt der Blick zwischen den einzelnen Protagonistinnen, interessante Gestalten verschwinden nach ein, zwei Folgen einfach. Diese Schwäche wiegt nicht schwer. Agneskirchner erzählt einerseits, wie die Jugendträume vom Showstar zerrinnen, andererseits vom Erwachsenwerden, genauer gesagt: vom Frauwerden. Unter den Blicken der Männer und ihrer strengen, schönen Trainerin entdecken die Mädchen etwas Geheimnisvolles, was sie selber nie beim Namen nennen könnten - ihre weibliche Identität.

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