Medien : Freiheit, die sich rechnet

WDR-Moderator Plasberg produziert sich selbst

Joachim Huber

Mann, 48, erfolgreich, sucht... Die Beschreibung passt auf Frank Plasberg. Und tatsächlich: Er, der erklärte Liebling der Fernsehgötter, schmeißt hin. Gibt eine Festanstellung und eine Hierarchen-Karriere im Westdeutschen Rundfunk auf, verzichtet auf Pensionsansprüche und Rückkehrrecht, und lässt darüber seinen Vater, einen kaufmännischen Angestellten, verzweifeln. Frank Plasberg hat einen Traum, hat einen Plan, diesen Traum zu realisieren. Der Traum? Eine Balance in sein Leben aus Beruf und Familie zu bringen. Deswegen will Frank Plasberg Fernsehproduzent werden, mit einer Art „TV-WG“: Mit seinem Freund und Partner Jürgen Schulte hat er dafür die GmbH & Co KG „Ansager und Schnipselmann“ gegründet. Beide halten je 50 Prozent. Der Ansager, das ist der Moderator Plasberg der hoch dekorierten Gesprächssendung „Hart aber fair“, für die Schnipselmann Schulte bisher und künftig die gefürchteten Einspielfilme fertigt. Die Produktionsfirma sitzt in Düsseldorf, Schulte hat mit seiner Firma „Klarlogo“ die frühere Gaststätte „Stadt Aachen“ gekauft und umgebaut. Als Mieter sind eingezogen: „Ansager und Schnipselmann“.

Plasberg sagt, er hat mit seinem Schritt aus dem WDR heraus auch für den Sender ein Problem gelöst: „Was können die mit mir anfangen, wenn ,Hart aber fair’ nicht mehr funktioniert?“ Korrespondent, das läge in Reichweite. Mit Plasberg durch die Welt ziehen? Da hätte seine Familie, Frau, Tochter, Sohn zu büßen, „und die hat mit mir schon einiges gebüßt“. Nein, hat sich Plasberg gedacht, da öffnet der Produzent Plasberg vielleicht den Weg ins Freie und in die Freiheit (wie Unfreiheit), wieder in Ruhe mit Freund Schulte Features zu drehen. Das, sagt Plasberg im Gespräch, „wollte ich schon mit 20, 23 machen“.

Der Traum vom Leben fußt auf einem Einjahresvertrag mit dem WDR, der mit eingebauter Option auf Verlängerung bis zum Oktober 2006 datiert ist. „Ansager und Schnipselmann“ liefern für das WDR-Fernsehen 37 Ausgaben von „Hart aber fair“, zwölf davon sollen in Berlin, 25 in Köln produziert werden. Das klingt machbar, allerdings müssen Plasberg/Schulte zeigen, dass sie ohne den WDR-Apparat die gewohnte Qualität und die überdurchschnittlichen „Hart aber fair“-Quoten erzielen können. „Deswegen ist es auch Quatsch zu glauben, wir würden schon an weiteren Sendeformaten arbeiten.“ Der Moderator und Ex-Programmgruppenleiter Plasberg muss nachweisen, dass er als Produzent genauso gut ist. Und weil „Ansager und Schnipselmann“ nicht blöd sind, haben sie Sicherungen eingebaut: Eine Redakteurin und eine Producerin werden aus dem WDR in die Firma geholt, beide haben sich für ein Jahr beurlauben lassen. Ein Redaktionsleiter wird noch dazukommen, der Redakteur im Sender bleibt der gleiche, es ist der hoch geschätzte Stefan Wirtz.

Andere Stützen der WDR-Programmleistung wie Bettina Böttinger oder Alfred Biolek sind einen ähnlichen Weg gegangen. Zur allseitigen Zufriedenheit. Will Plasberg reich werden? Der Sender und er sagen, die Konstruktion einer WDR-Auftragsproduktion werde den Sender nur geringfügig teurer zu stehen kommen. „Der Mehrwert“, sagt Plasberg, „liegt für mich woanders“. Von Stress-Auflösung spricht er, vom neuen Motivationsfaktor. Der Mann glaubt wirklich, er könne seine jetzige Macht und Herrlichkeit gegen die Freiheit des Fernsehproduzenten eintauschen. Als wäre er nicht Frank Plasberg, der Ego-Shooter.

„Hart aber fair“, 20 Uhr 15, WDR Fernsehen

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