Medien : Freiherren küsst man nicht

„Trenck“: Das Melodram über eine Liebe am Hof Friedrich II. ist der teuerste Historienfilm des deutschen Fernsehens

Antje Kraschinski

In seinen Memoiren behauptet der preußische Lebemann und Draufgänger Friedrich Freiherr von der Trenck (1726 – 1794), er habe eine heimliche Affäre zu Anna Amalia, der Schwester Friedrichs II., unterhalten. Zwar haben Historiker bis heute keinen einzigen Beweis dafür gefunden. Aber, so wird man sich beim ZDF gefragt haben, was wäre gewesen, wenn doch? Dann könnte man daraus einen so schönen und anrührenden Fernsehfilm machen wie „Trenck – Zwei Herzen gegen die Krone“ (heute und morgen um 20 Uhr 15 im ZDF).

Das zweiteilige Historienspektakel um eine verbotene Liebe im Preußen des 18. Jahrhunderts dürfte bei den Fernsehzuschauern ebenso gut ankommen wie kürzlich das Napoleon-Epos. Die Zutaten sind die gleichen: große Gefühle vor historischer Kulisse, farbenfrohe Kostüme, opulente Ausstattung und erstklassige Schauspieler. Drehbuchautor Walter Kärger („Forsthaus Falkenau“, „Gegen den Wind“) hat aus der literarischen Vorlage ein Mantel-und-Degen- Melodram zusammengedichtet, bei dem kein Auge trocken bleibt.

Der junge Freiherr von der Trenck wird von Friedrich II. nach Potsdam geholt, wo er in dessen Leibgarde dient. Auch die Schwester des Königs, Amalia, ist von dem ungestümen Kavalier begeistert, schnell verlieben sich die beiden ineinander. Doch Friedrich II. missbilligt die unstandesgemäße Liaison. „Ich habe euch geliebt, euch beide. Aber ihr habt mich ausgeschlossen“, sagt er einmal, und der Zuschauer ahnt, dass in diesem Dreiecksverhältnis mehr im Spiel ist als Bruderliebe.

Ben Becker als Kraft strotzender Trenck, Alexandra Maria Lara als allerschönste, kämpferische Amalia, Hannes Jaenicke in der Rolle des zynischen Grafen Jaschinsky und August Zirner als einsamer und eifersüchtiger Friedrich – die bravouröse Leistung der Hauptdarsteller reißt den Zuschauer mitten hinein in diese emotionalen Verwicklungen.

Mit Unterstützung des Grafen Jaschinsky, der selbst an Amalia interessiert ist, tut Friedrich alles, um die Beziehung zu verhindern. Trenck wird zweimal in den Kerker gesperrt, Amalia droht er mit Zwangsheirat. Drei spannende Fernsehstunden lang kämpfen Trenck und Amalia für ihr Glück, bis sie am Ende, ganz in Hollywood-Manier, zusammen in den Sonnenuntergang reiten dürfen. „Ich habe wieder große Bilder gemalt“, sagt Kameramann und Regisseur Gernot Roll, der schon in der Trenck-Verfilmung von 1973 hinter der Kamera stand.

Damals war es Matthias Habich, der sich als unbeugsamer Freiherr in die Herzen der Zuschauer spielte – noch heute suchen Fans im Internet nach Mitschnitten des Sechsteilers. Als kleine Reminiszenz tritt er heute Abend kurz als „General von Habich“ auf.

6,85 Millionen Euro hat das „Trenck“-Remake gekostet. Die Koproduktion von Arte, ZDF und ORF ist damit der bisher teuerste Historienfilm des deutschen Fernsehens. „Wir brauchen das, und wir beeindrucken damit die Konkurrenz“, sagt ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut und verweist stolz darauf, dass der Film bereits in 19 Länder verkauft wurde.

Hoffentlich glaubt man im Ausland dann nicht, dass der Zweiteiler eine wahre Geschichte erzählt. Der echte Trenck heiratete nämlich die Tochter eines Aachener Bürgermeisters, mit der er insgesamt acht Kinder hatte. Trotzdem setzte er sein ruheloses Leben fort und ging nach Frankreich, wo er den Sturm auf die Bastille miterlebte. Am 25. Juli 1794 wurde er vom Revolutionstribunal in Paris der Spionage bezichtigt, noch am selben Tag starb der 68-Jährige unter der Guillotine.

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