Medien : Freistil? Stilfrei…

Caroline Fetscher

„Athlet“ leitet sich her vom griechischen „athlos“, sprich: der Wettbewerb. Beim ersten Blick in den „Gemoll – Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch“ kam der Verdacht auf, der Begriff könne zu tun haben mit „atletos – unerträglich“. Schade, eigentlich. Das Unerträgliche hätte gut gepasst. Bisher hat mich als Sportskeptikerin allein der Fernsehspot angerührt, der Kofi Annan zeigte, wie er den „olympic moment“ beschwört. Das sei, verkündete der Generalsekretär der Vereinten Nationen, jener Augenblick vor dem Start der Sprinter, vor dem Sprung ins Wasser. In diesem magischen Moment, in dem es noch keine Sieger gibt, sind alle olympischen Wettkämpfer gleich, ob sie aus Burkina Faso kommen oder aus Russland.

Doch dann, nach der Eröffnungsfeier, nach den Startsprüngen, Startschüssen, Startschwimmzügen im klinisch blauen Pool, dann packt den Sportfeind stets dasselbe Zweifeln: Warum? Was ist so wichtig daran, ob Franziska van Almsick („Franzi“) über 200 Meter Freistil „am Edelmetall vorbeischwamm“, wie der ARD-Sprecher verkündet? Was sollen all die Millisekunden und Millimeter, die Panik, der Jubel, das Geschrei? Freistil – das letzte Wort, an das man denkt, betrachtet man die Plagen und Qualen der Athleten, die für „ihre Nation“ einen Preis erringen sollen. Am schrecklichsten, verzeiht, alle Sportsfreunde, ist die Metaphorik der Kommentatoren und Teilnehmer. Freistil? Stilfrei... Von „deutschen Vorzeigeathleten“ sprechen sie, von einem „der eigentlich alle in Grund und Boden schwimmen sollte“ (wie ginge das?), von einem anderen, der „als Kämpfer“ gilt. Ich schalte den Fernseher wieder aus.

Es ergab sich so, dass Platz war auf der Dachterrasse eines Thermalbades in Berlin. Salziges Wasser, Sonne, die Gedächtniskirche in Sichtweite. Und während „Franzi“ ansetzte, ihr „Gold“ zu verlieren, schwimmen simple Menschen im Spießerparadies langsam und vergnügt ihre Runden. Um ganz Athen zu vergessen.

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