Medien : Freitagsschwäche

„Tagesthemen mit dem Bericht aus Berlin“: Die Reform hat der ARD-Sendung nicht richtig genutzt

Joachim Huber

Sind 70 000 Zuschauer mehr im Massenmedium Fernsehen ein Erfolg? Nicht wirklich, wenn dieser Zuwachs um 70 000 Zuschauer das ARD-Programm betrifft. Der „Bericht aus Berlin“ als Solo-Sendung erreichte nach Angaben der ARD-Medienforschung durchschnittlich 1,53 Millionen Zuschauer (was einen Marktanteil von 7,3 Prozent dieser Sendung an der Gesamtheit aller zu diesem Zeitpunkt eingeschalteten Programme bedeutet). Diese Zahl erfasst 31 Sendungen von Januar bis August diesen Jahres. Seit dem 3. September gibt es am Freitag die Kombi-Sendung „Tagesthemen mit dem Bericht aus Berlin“. Die bisher sieben Ausgaben sahen durchschnittlich 1,60 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 7,2 Prozent).

Immerhin steht dieses kleine Plus für das Ende einer Talfahrt, wie sie der „Bericht aus Berlin“ in seiner alten Form erleben musste. Umgekehrt steht das marginale Mehr nicht für die große Trendumkehr: Die politsche Sendung mit Thomas Roth an der Spitze tritt auf der Stelle. Zugleich markieren die Zahlen den Tiefpunkt für die „Tagesthemen“, die eben seit September auch am Freitag und damit täglich laufen. An jedem anderen Wochentag hat das Nachrichtenmagazin aus Hamburg eine erheblich höhere Quote. Zwischen Samstag und Donnerstag erzielen die „Tagesthemen“ seit Beginn dieses Jahres durchschnittlich 2,21 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 11,2 Prozent). Da fällt der Freitag schon sehr deutlich ab.

Es wird die ARD nicht wirklich trösten, dass die Konkurrenzveranstaltung, das „heute-journal“ im ZDF, ebenfalls am Freitag schwächelt. Auch das Nachrichtenmagazin aus Mainz hat am Freitag die wenigsten Zuschauer. Nach dem einschlägigen Zahlentableau kommt die Ausgabe von „heute-journal“ am Freitag im Schnitt auf 3,2 Millionen Zuschauer, während der Rekordtag, das ist der Sonntag, dem „heute-journal“ einen Wert von 4,20 Millionen zuweist.

Der Freitag, das zeigt sich trotz aller Umbauarbeiten beim „Bericht aus Berlin“ in aller Schärfe, bietet dem Fernsehen für die hartgekochte Information nur ein sehr geringes Zuschauerpotenzial an. Am Freitagabend schwimmt das deutsche Fernsehen, von ganz wenigen News-Inseln abgesehen, in einem Meer von Unterhaltung.

Vor der Reform des „Berichts aus Berlin“ in die Variante „Bericht“/„Tagesthemen“ hinein hatte die ARD über weitere Alternativen nachgedacht: den „Bericht aus Berlin“ vielleicht doch am Sonntag nach dem „Presseclub“ auszutrahlen oder am Abend in zeitnaher Konkurrenz zu „Berlin direkt“ im ZDF. Thomas Roth, Moderator der Sendung und Chef des ARD-Hauptstadtstudios, war dafür nicht zu haben. Roth hatte sich acht Prozent Marktanteil für die „Tagesthemen mit dem Bericht aus Berlin“ zum Ziel gesetzt. Ein hehres, fernes Ziel.

„Tagesthemen mit dem Bericht aus Berlin“, ARD, 22 Uhr 15

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