Medien : "Fremd in Deutschland": Beeindruckendes Fernsehspiel im ZDF

Mechthild Zschau

"Ein Sachse" steht in großen Lettern über dem Porträt. Feines Gesicht mit ruhigen, aufmerksamen Augen, weicher Mund, kahler Schädel. Sam Meffire, Mutter Sächsin, Vater aus Kamerun. Das Bild des ersten farbigen Polizisten in Sachsen sollte 1992 nach ausländerfeindlichen Ausschreitungen Symbol sein für Toleranz und Offenheit. Vier Jahre später versperren Stacheldrahtzäune den Blick des jungen Mannes. Er sitzt im Gefängnis wegen bewaffneten Raubüberfalls. Was ist mit ihm geschehen? Die Studentin der Deutschen Film- und Fernsehakademie Branwen Okpako begibt sich auf die Suche nach den Ursachen. Sie fragt ihn, seine ehemaligen Kollegen, die Mutter, den ehemaligen Innenminister Heinz Eggert, der selbst über den Fall stürzte. In sehr ruhigen Bildern entwickelt sie das Psychogramm eines Mannes, "der immer anders war als die anderen" - allein durch seine Hautfarbe. Und der deshalb Verhaltensweisen entwickelt, die sein Anderssein noch betonen. Er fühlt sich bedroht - und macht seinen Körper zur Waffe. Er fühlt sich nicht angenommen - also will er in allem besser sein. Er fühlt sich als "Krieger in feindlichem Gebiet" - also führt er Krieg. Erst gegen das Unrecht der Welt, dann seinen persönlichen. "Sam hat zu viel Dreck gefressen - und hat ihn niemals ausgekotzt", sagt der alte Freund und Kollege. Branwen Okpakos preisgekrönte Abschlussarbeit lässt durch das individuelle Schicksal ein Stück deutscher Geschichte und Gegenwart schimmern.

Wieder einmal packt sich das Kleine Fernsehspiel des ZDF die ganze Last und Lust des aufklärerischen Zeigens auf die Schultern. "Fremd in Deutschland" heißt die kleine dreiteilige Serie zum nicht erst heute aktuellen Thema. Sie endet am 13. November mit Andreas Kleinerts Schwarz-Weiß-Film "Wege in die Nacht". Die Fremdheit, so zeigt er, braucht keine andere Hautfarbe. Nur den Verlust des Vertrauten. Sie kann jeden von uns erwischen.

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