Fremdbestimmung : Machtkampf der AOL-Blogger

Michael Arrington wollte für TechCrunch die redaktionelle Eigenständigkeit zurück. Doch gegen Arianna Huffington und die neuen Eigentümer zog er den Kürzeren.

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Es war ein Bild aus besseren Tagen, das MG Siegler vor vier Tagen im bekanntesten amerikanischen Technologie-Blog „TechCrunch“ postete. Zu sehen ist die gesamte, rund 30 Personen starke Mannschaft der populären Webseite, die von AOL für 30 Millionen Dollar gekauft worden war. „TechCrunch, so wie wir es kennen, wird es bald nicht mehr geben“, schrieb Siegler in dem Post mit dem Titel „The End“. Bereits seit einigen Tagen zeichnete sich ab, dass der TechCrunch-Gründer und Chefredakteur Michael Arrington den Machtkampf mit Arianna Huffington nicht gewinnen dürfte. Auch ihre Webseite – die „Huffington Post“ – war unlängst von AOL für über 300 Millionen Dollar gekauft worden. Arianna Huffington wurde die Leitung über die neuen AOL-Besitztümer übertragen. Seither wurden die Websites auf Profitabilität getrimmt: Sparprogramme bei den Mitarbeitern auf der einen Seite, eine aggressivere Vermarktung auf der anderen. Am Donnerstagabend nun ist das eingetreten, was nicht nur MG Siegler befürchtet hat: AOL bestätigte, dass Michael Arrington von seinen Funktionen entbunden wurde.

Arrington hatte zuvor via TechCrunch dargelegt, dass es nicht um sein Beschäftigungsverhältnis gehen kann. Im Kern stehe die Frage nach der Selbstbestimmung und der redaktionellen Eigenständigkeit der Webseite. Entweder erhalte TechCrunch diese von AOL zurück oder es finde ein Rückkauf der Anteile statt, schlug Arrington vor. AOL nun bevorzugte eine andere Lösung und ließ den Gründer gehen. Arrington selbst hat sich noch nicht konkret zu seiner Absetzung geäußert. Am Donnerstag postete er über Twitter nur den Kommentar: „My life feels very strange to me.“

Der ehemalige Internet-Gigant AOL möchte sich nach der Trennung von Time Warner neu erfinden. Das Unternehmen setzt nun auf Inhalte statt auf das wenig lukrative Zugangsgeschäft. Dabei verfährt AOL nicht immer mit dem nötigen Fingerspitzengefühl. Auch bei Engadget wollte man sich damit nicht abfinden. Ein Teil der Crew betreibt inzwischen eine eigene Webseite. Kurt Sagatz

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