Medien : Fremde Freunde

Arte-Themenabend zu 40 Jahren deutsch-französischer Freundschaft

Thomas Gehringer

Als der deutsche Millionenerbe Gunter Sachs und die französische Schauspielerin Brigitte Bardot 1966 heirateten, verkündete die „Wochenschau“ ernsthaft: Sachs habe Bardot „heim ins Reich geführt“, und „Frankreichs Sexsymbol erhielt innerhalb von Minuten einen deutschen Sachs-Antrieb“. Das klingt furchtbar, aber immerhin war es damals doch etwas Besonderes, dass sich ein französischer Star mit einem Deutschen einließ. Es musste wohl schon ein Playboy sein, der vom Flugzeug aus rote Rosen aufs Anwesen regnen ließ. Der Verleger Klaus Wagenbach erinnert sich in der Arte-Dokumentation „Alte Liebe rostet nicht“ (20 Uhr 47) von Pascale Hugues, dass Deutsche ab den 60er Jahren in Frankreich freundlicher empfangen wurden; in den 50ern seien sie noch regelmäßig aus Pariser Hotels geworfen worden.

Vor 40 Jahren gingen Staatspräsident Charles de Gaulles und Bundeskanzler Konrad Adenauer nach Jahrzehnten erbitterter Feindschaft einen Freundschaftsbund ein. Dieses Jubiläum ist natürlich ein Pflichttermin für den deutsch-französischen Kulturkanal Arte, der seinen heutigen Themenabend bezeichnenderweise „Fremde Freunde“ genannt hat. Die in Berlin lebende französische Journalistin (und Tagesspiegel-Autorin) Pascale Hugues nimmt das Publikum in ihrem Film „Alte Liebe rostet nicht“ mit auf eine amüsante Tour durch die Befindlichkeiten dieser besonderen Nachbarschaft. Manche Klischees findet sie bestätigt: Die Franzosen sind natürlich sinnlicher, die Deutschen dagegen lieben Autos und Birkenstock-Schlappen. Aber junge Franzosen finden Deutschland, vor allem Berlin, „ziemlich modern“. Mittlerweile leben 12 000 in der Hauptstadt des einstigen Erzfeindes. In Paris wiederum staunen sogar die Deutschen über die Bürokratie: „Hier wurde sie erfunden“, sagt die Modeschöpferin Daniela Telle genervt. Angesichts der offenbar etwas einfältigen Reaktionen in Paris hat sie sich abgewöhnt, ihr Herkunftsland zu nennen. Stattdessen sagt sie lieber, sie stamme aus Transsylvanien. Die Frau hat Humor.

Was man dem Film allerdings vorwerfen könnte, ist seine zentralistische Sicht. Regionen wie das Saarland oder das Elsass, in denen sich die „fremden Freunde“ viel näher sind als in den Hauptstädten, spielen hier keine Rolle.

Neben kurzen Diskussionsrunden, an denen neben Pascale Hugues auch Filmemacher Volker Schlöndorff und Manager Daniel Goeudevert teilnehmen, zeigt Arte noch eine zweite Dokumentation: „Ein Freund, ein guter Freund“ (22 Uhr 05) von „Zeit“-Korrespondent Joachim Fritz-Vannahme. Hier kommen die prominenten Akteure zu Wort: Valéry Giscard d’Estaing, Helmut Kohl und auch Adenauers Dolmetscher Hermann Kusterer.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben