Medien : Fremdes Kapital

Investoren drängen in den deutschen Zeitungsmarkt

Ulrike Simon

Traditionell ist die deutsche Zeitungslandschaft mittelständisch geprägt. Noch sind die Blätter im Besitz von Verlegerfamilien. Doch das könnte sich bald ändern. Neuerdings versuchen sich Beteiligungsfirmen einen Weg in die Medien zu bahnen: Ende 2004 kaufte der Starnberger Finanzinvestor Arques die Nachrichtenagentur ddp, die Investmenthäuser Cinven und Candover haben den Fachverlag Bertelsmann- Springer übernommen, der Rechtehändler SportFive gehört Advent, Hellman & Friedman ist Gesellschafter bei Axel Springer. Bereits wieder ausgestiegen ist der britische Finanzinvestor Permira, der bis vor kurzem größter Gesellschafter bei Premiere war; kurz vor dem Ausstieg stehen die Fondspartner um Haim Saban beim Fernsehkonzern ProSieben Sat 1 Media.

Investmentfirmen haben den deutschen Medienmarkt entdeckt. Anders als in England, wo Candover einer der größten Inhaber von Regionalzeitungen ist, scheiterten hierzulande bisher die Versuche von Private-Equity-Firmen, im Zeitungsmarkt Fuß zu fassen. So wie 2004, als 3i Interesse an der „Frankfurter Rundschau“ zeigte. Was es für die Verlage bedeutet, wenn Finanzinvestoren die Geschäfte von Redaktionen führen, weiß niemand genau.

Derzeit wird der britischen 3i-Gruppe Interesse am Berliner Verlag nachgesagt. Der Verlag, zu dem neben der „Berliner Zeitung“ und dem „Berliner Kurier“ unter anderem eine Druckerei und das Stadtmagazin „Tip“ gehören, wurde im Sommer 2002 von der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck gekauft. Die Übernahme wurde vom Kartellamt verhindert, da Holtzbrinck in Berlin bereits der Tagesspiegel gehört. Eine der beiden Zeitungen, die „Berliner Zeitung“ oder der Tagesspiegel, muss nach aktuellem Stand also verkauft werden. Der „Spiegel“ berichtete, als Käufer für den Verlag der „Berliner Zeitung“ stünde die 3i-Gruppe bereit. 3i äußert sich dazu nicht. Bei Holtzbrinck hieß es, „die aktuelle Rechtssituation“ zwinge die Verlagsgruppe, „denkbare Lösungen in jeder Richtung und auf breiter Basis zu sondieren. Dazu gehören insbesondere Verkaufsüberlegungen sowohl für die Berliner Zeitungsgruppe als auch für die Tagesspiegel-Gruppe.“ Abgesehen von der Finanzkraft einer Beteiligungsfirma und der Tatsache, dass solch einer Übernahme kaum kartellrechtliche Hindernisse im Weg stünden, stellt sich die Frage, wer oder was sich hinter 3i verbirgt, und was diese Gruppe dazu treibt, sich für den deutschen Zeitungsmarkt zu interessieren.

3i steht für Investors In Industry. Die dezentral geführte 3i-Gruppe mit Hauptsitz in London wurde 1945 von der Bank of England und weiteren britischen Banken gegründet. Weltweit hält 3i Beteiligungen an mehr als 1500 Unternehmen. In Europa, USA und Asien unterhält 3i knapp dreißig Büros, davon für etwa 80 Mitarbeiter vier in Deutschland: in Frankfurt, München, Düsseldorf und Stuttgart. Rund 170 Beteiligungen hält 3i hierzulande. Dazu gehören Biotech-Firmen ebenso wie ein Hersteller von Spezialschleifmaschinen. Das Deutschlandgeschäft verantwortet Stephan Krümmer. Der frühere Bertelsmann- Manager kam im Februar dieses Jahres von der Investmentbank Rothschild zu 3i.

Außerhalb der Finanzwelt ist 3i unbekannt, obgleich die börsennotierte Gruppe europaweit zu den größten Beteiligungsgesellschaften zählt. Ihr Augenmerk richtet sich auf mittelständische Firmen unterschiedlichster Branchen. Weltweit investiert 3i jährlich rund eine Milliarde Euro in Akquisitionen. Die Hälfte davon fließt in mehrheitliche Übernahmen, ein Drittel als Wachstumskapital in Minderheitsbeteiligungen, der Rest fließt in Venture Capital.

Im Gegensatz zu Verlegern, denen es auch um ein publizistisches Interesse geht, beschränkt sich das Anliegen von Beteiligungsfirmen auf Gewinnmaximierung. Renditeerwartungen von 20 Prozent sind die Regel, um nach drei, fünf oder sieben Jahren wieder auszusteigen. Das Misstrauen ist groß, dass die Investoren wie „Heuschrecken“ zerschlagene, kaputt gesparte Verlage hinterlassen. Jens Tonn, Deutschland-Chef von Candover sagt in der aktuellen Ausgabe des „Medium Magazins“ hingegen, nur durch redaktionelle Qualität seien die Auflage und damit der Gewinn zu steigern. Er plädiere für den englischen Weg, sich auf den Kioskverkauf zu konzentrieren. Gespart werden müsse anderswo. Ziel der Private-Equity-Firmen sei daher, regionale Zeitungsketten zu bilden.

Der Berliner Verlag erwirtschaftete im vergangenen Jahr undementierten Angaben des „Spiegel“ zufolge neun Millionen Euro Gewinn, wozu die „Berliner Zeitung“ 5,6 Millionen Euro beitrug. Angeblich soll der Kaufpreis für die Berliner Zeitungsgruppe zwischen 150 und 160 Millionen Euro liegen.

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