Medien : Friede, Freude, Fischer

Der Außenminister und die Auslandspresse sind wieder versöhnt

Elisabeth Binder

Sensibilität ist das wichtigste Handwerkszeug des Journalisten. Deshalb wiegt das, was Journalisten ihren Kollegen antun, auch doppelt schwer. Rechtzeitig zum Jahresempfang des Vereins der Ausländischen Presse zu Berlin (VAP) hatte der „Spiegel“ berichtet, Außenminister Joschka Fischer wolle mit einer Charme-Offensive sein Verhältnis zu den in Berlin stationierten ausländischen Kollegen reparieren, und zitierte aus einem Brief, der die „enge, ‚nationale’ Sicht“ des Auswärtigen Amtes in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beklagt. „Wir waren ziemlich sauer darüber, dass dieser Brief in den ,Spiegel’ gelangt ist“, sagt die stellvertretende VAP-Vorsitzende Alexandra Föderl-Schmid. Aus Sicht des Vereins ist das Thema erledigt: „Die Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt ist hervorragend.“ Nicht anders sieht es Antje Leendertse vom Auswärtigen Amt, die bestätigte, dass der Außenminister gleich nach der Rückkehr aus Teheran zum VAP-Empfang fahren und dort eine Rede halten wollte.

Die inzwischen ausgeräumte Verstimmung gab es anlässlich der Pressekonferenz zur Freilassung der Sahara-Geiseln. Damals war nur die deutsche Presse eingeladen. Der Kern des Problems liegt nach der Einschätzung des VAP-Vorsitzenden Frank Paul Weber in der Tradition. Auch in Paris, London und Rom wird die inländische Presse von Ministerien und Unternehmen bevorzugt behandelt. Weber war unglücklich über die „Spiegel“-Veröffentlichung, immerhin habe es zwei sehr gute Gespräche mit dem Minister gegeben, eines im Juni und eines im Oktober, normal sei eigentlich nur ein Gespräch pro Jahr. Die Vergabe des VAP-Medienpreises erfolgte dementsprechend streng nach pädagogischen Kriterien. Der Wirtschaftsweise Bert Rürup war ausersehen worden, weil er stets zu Gesprächen mit den Korrespondenten bereit sei. Was ein schöner Erfolg ist, denn es zeigt sich: Die Korrespondenten haben auch die Sensibilität ihrer Gesprächspartner geschärft.

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