Medien : Friedman gibt ARD-Talk auf

HR-Chef Reitze kann sich weitere Zusammenarbeit vorstellen

Joachim Huber

Nach seinem Rückzug aus allen gewählten öffentlichen Ämtern gibt Michel Friedman auch seine Talkshow „Friedman“ auf, die er in der ARD moderiert. Dies erklärte der Intendant des Hessischen Rundfunks (HR), Helmut Reitze, am Dienstagnachmittag nach einem persönlichen Gespräch mit Friedman. Nach der Sommerpause hätte die ARD-Sendung am 20. August wieder starten sollen. Zur zweiten Talkshow des Fernsehmoderators, „Vorsicht! Friedman“ im „hessen fernsehen“, sagte Reitze, Friedman und er würden im Herbst darüber reden, „ob, und wenn ja, wie es im nächsten Jahr eine Fortsetzung der Sendung mit Friedman im hessen fernsehen geben kann.“ Er wolle Friedman die Möglichkeit für eine zweite Chance, „um die er selbst gebeten hat“, offen halten und nicht jetzt für alle Zeit verschließen, sagte Reitze. Die erste Ausgabe von „Vorsicht! Friedman“ hätte am 16. September gesendet werden sollen.

Zu Friedmans Motiven sagte Reitze: „Michel Friedman will in den nächsten Monaten Zeit zum Nachdenken haben, will neue Prioritäten für sein Leben setzen. Er will sich weniger Aufgaben zumuten als in der Vergangenheit.“ Seine Orientierungsphase werde sicher einige Monate dauern. Beide, Friedman wie Reitze, wollen zudem abwarten, wie sich das öffentliche Klima gegenüber einem Fernsehmoderator Friedman in den nächsten Wochen und Monaten entwickeln wird.

Michel Friedman habe als Moderator in seinen Sendungen Menschen hart befragt und unerbittlich nach Konsequenzen bei Fehlern gefragt. „Er hat heute selbst akzeptiert, dass seine strengen Maßstäbe auch an ihn selbst angelegt werden“, betonte der HR-Intendant.

Warum Friedman seine ARD-Talkshow „Friedman“ aufgibt, die Sendung „Vorsicht! Friedman“ gegebenenfalls fortführt, das begründete Reitze mit den „ganz und gar unterschiedlichen Formaten“. Die Sendung im „hessen fernsehen“ sei eine normale Diskussionssendung mit mehreren Gästen, die ARD-Talkshow sei ein hartes Gespräch zwischen dem Moderator Friedman und einem einzigen Gast. Klar ist, dass der ARD-Talk, den Friedman sehr konfrontativ angelegt hat, mit einem „gefallenen“ Moderator Friedman nicht mehr funktionieren würde.

Nach Reitzes Aussage ist in der ARD-Schaltkonferenz am Dienstag „die Nachfolgefrage für ,Friedman‘ vertagt worden“. Auf dem Sendeplatz am Mittwochabend hat sich Friedman wöchentlich mit der Talkshow von Gabi Bauer abgewechselt. An der WDR-Produktion „Gabi Bauer“ wird nicht gerüttelt. Wer „Friedman“ ersetzen wird? „Ich kann mir alles Mögliche vorstellen, zum Beispiel eine sehr interessante Talkshowfarbe“, sagte Reitze. „Friedman“ war eine besondere Farbe im Ersten. Grell, hart, böse, nicht alle sahen in diesem Licht gut aus.

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