Medien : "Friedman"-Produzent im Interview: "Keiner muss Angst haben"

Herr Nakschbandi[für die gestrige Ausgabe vo]

Walid Nakschbandi ist Chef der Produktionsfirma AVE, die für die ARD die Talkshow "Friedman" herstellt. Moderiert wird die Sendung von Michel Friedman, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Herr Nakschbandi, für die gestrige Ausgabe von "Friedman" in der ARD wurde als Gast zu Wochenbeginn der Publizist Henryk M. Broder, dann der Hamburger Wahlsieger Ronald Barnabas Schill angekündigt. Gekommen ist schließlich der Bündnisgrüne Fritz Kuhn. Eine Folge puren Kalküls oder eine Konsequenz permanenter Absagen?

"Friedman" ist eine Sendung, die ausschließlich das aktuellste Thema behandelt und - damit verbunden - den aktuellsten Gast befragt. Unsere Zuschauer erwarten das von der ARD und von den Machern. Um diesen journalistischen Anspruch gerecht zu werden, kann es passieren, dass eine Redaktion mehrere Personen einlädt, aber je nach Lage auch wieder auslädt. Das ist journalistischer Alltag und wird überall praktiziert.

Geht in Deutschland die Angst vor Talker Michel Friedman um?

Nein. Angst haben die Menschen in Deutschland vor dem bevorstehenden Krieg und nicht vor Michel Friedman. Wer bei "Friedman" auftritt, weiß, dass er gut vorbereitet sein muss und den Zuschauern keine Floskeln servieren darf. "Friedman" ist nicht zu verwechseln mit der Runde der Generalsekretäre nach einer müden Wahl.

Aber die Sorge, schlecht auszusehen, treibt doch manchen um, den Sie gerne als Gast sehen würden.

Unsere Politiker sind viel medienbewusster und offener als Sie es glauben. Man hört ja gelegentlich, dass der eine oder die andere gar von professionellen Medienberatern geschult werden.

Ist die Beobachtung richtig, dass für die Politik und die politische Klasse eine Einladung in eine zuschauerträchtige Talkshow das höchste Ziel ist? Motto: Nur im Fernsehen bin ich authentisch.

So pauschal stimmt das ganz sicher nicht. Es gibt Volksvertreter, die in der Tat nur nach Quote und Marktanteil ihre Termine und Auftritte aussuchen und inszenieren. Doch die Mehrzahl unserer Politiker hat immer noch den Anspruch, für Inhalte zu kämpfen und zu streiten. Und sie wissen, dass gute Argumente sich rasch herumsprechen, egal ob sie im "Tagesspiegel", in der "Süddeutschen" oder in der "Berliner Zeitung" veröffentlicht oder bei "Friedman" gesprochen werden.

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